Natürlich sind sie einfach niedlich, mit ihren frechen Zöpfen, rote Pausbäckchen und dem verschmitzten Lächeln. In ihren farbenfrohen Traditionskostümen wirken die kleinen Nomadenmädchen wie lustige bunte Tupfer inmitten der mongolischen Steppe. Natürlich ist die Landschaft mit ihren sanften, lang gezogenen Hügeln ein grandioses Kameramotiv. Und natürlich würde man es sich etwas zu leicht machen, wollte man behaupten, dass dieser Film Land und Leute auf den Schauwert einer mongolischen Fototapete reduziert. Schon in ihrem erfolgreichen Regiedebüt, dem Dokumentarfilm Die Geschichte vom weinenden Kamel, ging es Byambasuren Davaa um das schwere Leben von Nomaden und deren Gabe, mit der kargen Natur in Einklang zu leben.

Auch in Die Höhle des gelben Hundes lässt sich die aus der Mongolei stammende Münchner Filmstudentin viel Zeit beim Erkunden des Alltags einer nomadischen Kleinfamilie. In einer langen Einstellung demonstriert sie, wie viel Geduld es bedarf, Schafsmilch mithilfe eines Wagenrades und eines Bindfadens in Käse zu verwandeln. Nicht nur das ethnografische Interesse des Zuschauers wird bedient, neben den dokumentarischen Sequenzen bietet Die Höhle des gelben Hundes auch mythologischen Mehrwert. So darf die älteste Tochter den süßen Struppelhund nicht behalten, weil er, wie eine Legende erzählt, Wölfe anlocken könnte. Eine herzergreifende Geschichte vor authentischem Hintergrund! Höchstwahrscheinlich weil hier fiktionale und dokumentarische Elemente so wunderbar ineinander flutschen, glaubt man, an einer folkloristischen Butterfahrt teilzunehmen. Selbst der schreckliche pinkfarbene Stoffhund wird noch zum Symbölchen für die einziehende Moderne.