Private vorn

Glücklich, wer Betriebswirtschaftslehre an einer Fachhochschule studiert hat: Die Vorbereitung auf das Berufsleben ist gut, der Einstieg in den Job gelingt den meisten Absolventen problemlos. Das ist das Ergebnis des Alumni-Rankings des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). BILD

Anders als in den USA oder Großbritannien gibt es in Deutschland keine Alumni-Kultur, und der Kontakt von Studenten und Hochschule endet meist am Tag, an dem der Absolvent sein Zeugnis in die Hand bekommt. Während US-amerikanische Universitäten mit dem Jahresgehalt ihrer Absolventen um neue Studenten buhlen, ist an deutschen Hochschulen häufig nicht einmal der Name des Unternehmens bekannt, für das die Ehemaligen arbeiten. Zwar machen einige Hochschulen für einzelne Fächer Absolventen-Studien. "Diese Studien sind aber sehr unterschiedlich, und man kann sie nur schwer miteinander vergleichen", sagt Gero Federkeil vom CHE.

Auch das von Bertelsmannstiftung und Hochschulrektorenkonferenz gegründete CHE erhebt für sein Hochschulranking zwar regelmäßig die Meinung von Studierenden und Professoren – was aber Absolventen als inzwischen Berufstätige über ihr Studium denken, blieb bislang unerforscht. Für das Fach Betriebswirtschaftslehre hat das CHE nun Absolventen von Fachhochschulen zu ihren Studienbedingungen, ihrem Berufseinstieg und dem Arbeitsmarkterfolg befragt.

Im CHE-Alumni-Ranking werden 43 staatliche und private Fachhochschulen bewertet und nach Indikatoren wie Struktur des Studiums, Betreuung, Prüfungsorganisation und technische Ausstattung drei Ranggruppen zugeordnet: der Spitzen-, Mittel- oder Schlussgruppe. Als einzige Fachhochschule hat es die private Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) Frankfurt bei allen Indikatoren in die Spitzengruppe geschafft. Sehr gut abgeschnitten haben auch die FHdW Hannover, die Munich Business School, die FH Nürtingen in Geislingen, die ISM Dortmund und die FH Deggendorf. Dass vor allem private Fachhochschulen in der Spitzengruppe vertreten sind, ist für das CHE keine Überraschung, diese haben dank Studiengebühren einen anderen finanziellen Hintergrund.

Schlecht abgeschnitten hat die Fachhochschule Augsburg: Sie ist bei allen Indikatoren in der Schlussgruppe gelandet. Über die Ursachen sagt das Ranking allerdings nichts. "Ob es bei den befragten Jahrgängen Probleme mit der Prüfungsordnung gab, die Augsburger besonders kritisch sind oder die Studienstruktur tatsächlich so viel schlechter als an anderen FHs ist, wissen wir nicht", sagt Gero Federkeil. Das Ranking soll eine Entscheidungshilfe für Studierende und Studienanfänger sein und den Hochschulen zeigen, wo sie stehen. Was die einzelnen Fachhochschulen aus den Ergebnissen ableiten, ist deren Aufgabe.

Für Studienanfänger gilt: Sie sollten sich die einzelnen Indikatoren genau ansehen und überlegen, was ihnen für ihr Studium wichtig ist. Denn aus dem Ranking lassen sich spezifische Profile der Hochschulen ablesen. So werden an der FH Münster zwar die Räumlichkeiten und die Ausstattung der Bibliothek schlecht beurteilt, bei der Struktur des Studiums, der Vollständigkeit des Lehrangebots und der Prüfungsorganisation aber ist die FH spitze. Von den Absolventen der Hochschule der Medien Stuttgart und den FHs Schmalkalden, Erfurt und Gelsenkirchen/Bocholt wird die Ausstattung gut beurteilt, die anderen Aspekte des Studiums aber weniger gut.

Vergleicht man die Urteile der Ehemaligen mit denen der Studierenden aus dem CHE-Hochschulranking 2005, gibt es eine hohe Übereinstimmung, insgesamt fällt das Gesamturteil der Studierenden etwas positiver aus. "Häufiger Kritikpunkt an unserem Ranking ist, dass Studierende nicht objektiv urteilen können", sagt Gero Federkeil, die hohe Übereinstimmung aber bestätige die Aussagekraft der Studierendenbefragung.

Für Noch-Studierende kurz vor dem Abschluss ist wichtig, wie die Absolventen die Vorbereitung auf das Berufsleben durch ihr Studium beurteilen. 62 Prozent der Befragten fühlen sich sehr gut oder gut vorbereitet, der Mittelwert ist 2,4. Nur 3 Prozent der Befragten gaben eine schlechtere Note als 4. Mit einem so positiven Ergebnis hatten die Forscher nicht gerechnet; bei der CHE-Befragung von BWL-Absolventen an Universitäten vor drei Jahren urteilten weniger als die Hälfte mit sehr gut oder gut, 8 Prozent gaben damals die Noten 5 und 6. Das schlechte Abschneiden der Universitäten bei der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt liegt sicherlich im Selbstverständnis der Hochschultypen: Fachhochschulen bilden für die Praxis aus, für Universitäten spielt der Forschungsbezug eine wichtige Rolle.

Private vorn

Betrachtet man die Fachhochschulen im Einzelnen, haben es alle privaten bei der Vorbereitung auf das Berufsleben in die Spitzengruppe geschafft – nur die FH Deggendorf rettet hier die Ehre der staatlichen Fachhochschulen. Sie ist in der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt ebenfalls spitze. Einen leichteren Start haben Studierende, die für ein Semester oder länger im Ausland waren; sie beurteilen die Vorbereitung auf den Job durch ihr Studium deutlich besser – was wohl nicht zuletzt an den erworbenen Sprachkenntnissen liegt.

Die Absolventen wurden auch gefragt, wie sie die Vermittlung spezifischer Kompetenzen mit Blick auf ihren Berufsalltag beurteilen (siehe Grafik). Positiv bewertet werden das erworbene Grundlagenwissen, die Fähigkeit zur Teamarbeit und selbstständiges Denken. Kritischer gesehen werden IT- und Fremdsprachenkenntnisse und die Förderung der Transferfähigkeit, also die Anwendung des Gelernten auf praktische Probleme. Am schlechtesten wird die Forschungskompetenz bewertet – wobei diese kein spezifisches Merkmal eines Fachhochschulstudiums ist. Keine Hochschule hat es bei allen Indikatoren in die Spitzengruppe geschafft.

Knapp 60 Prozent der Befragten haben direkt nach dem Studium zu arbeiten begonnen, wer nach dem Abschluss noch einen Job suchen musste, hat dafür im Schnitt 4,4 Monate gebraucht. Die Zahlen schwanken allerdings von FH zu FH. Praktisch alle Absolventen der HfB in Frankfurt hatten am Tag der Zeugnisübergabe schon einen Vertrag unterschrieben, an den übrigen privaten Schulen fanden mehr als 70 Prozent sofort einen Job. Sehr gut schneiden auch die staatlichen Fachhochschulen in Pforzheim, Darmstadt, Frankfurt, Rosenheim, Ingolstadt, Mainz und Stuttgart ab. Dass hier regionale Wirtschafts- und Arbeitsmarkteffekte eine Rolle spielen, zeigt der Blick auf die Problemfälle: An den Hochschulen in Schmalkalden, Stendal, Brandenburg und Dortmund fanden weniger als ein Drittel sofort eine Arbeitsstelle.

Das durchschnittliche Anfangsgehalt liegt bei rund 39.000 Euro. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den FHs teils enorm. Drei Viertel der Absolventen der FH Brandenburg verdienen weniger als 30.000 Euro pro Jahr, wer in Frankfurt an der HfB studiert hat, konnte mit über 50.000 Euro pro Jahr rechnen. Sollten Studiengebühren auch für staatliche FHs eingeführt werden, werden Studienanfänger ihre Erfolgsaussichten am Arbeitsmarkt wohl noch genauer verfolgen.