Fruchtbarkeitssymbol, Steinzeitdildo oder keck verziertes Werkzeug? Dem Team des Tübinger Archäologen Nicholas Conard gelang ein aufsehenerregender Fund. In der Höhlenfundstelle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb bargen die Forscher vom Institut für Ur- und Frühgeschichte dieses kunstvoll aus Stein gehauene und gravierte Objekt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, so glauben die Forscher, handelt es sich um ein steinzeitliches Phallussymbol. Menschen der so genannten Gravettien-Kultur haben es vor 28 000 Jahren aus einem Stück Siltstein hergestellt. Aus der Gravettien-Kultur am Ende der Altsteinzeit (30 000 bis 24 000 vor unserer Zeit) stammen die ersten figürlichen Menschendarstellungen. Bislang wurden allerdings nur Figurinen von Frauenkörpern mit ausladenden Hüften und großen Brüsten, wie die berühmte Venus von Willendorf, gefunden - vermutlich Schwangerschaftssymbole. Der Fund der Tübinger Archäologen könnte nun die älteste figürliche Darstellung des männlichen Geschlechts sein. Allerdings deuten so genannte Schlagnarben am unteren Ende auch darauf hin, dass das Objekt als Werkzeug verwendet wurde.

Nur ein anzüglich verzierter Meißel? Ein Gegenstand für rituelle magische Praktiken? Oder wurde es von den Höhlenfrauen gar zur Masturbation genutzt, wie sich Archäologe Conard durchaus vorstellen kann? Dann galt in der steinzeitlichen Frauenwelt schon das Motto: Size matters. Der Steinzeit-Phallus misst immerhin fast 20 Zentimeter.