Der Bundespräsident ist immer für eine Verblüffung gut. Was zum Beispiel hat die Regierungskrise mit der Kinderkrise zu tun, die Horst Köhler zur Begründung von Neuwahlen anführte? Zunächst einmal gar nichts. Aber bei näherer Überlegung lässt sich das Denkrätsel doch erschließen. Offensichtlich wollte Köhler zwei Dinge mit einander vergleichen, die schrumpfen. In dem einen Fall schrumpft die Kanzlermehrheit, im anderen Fall die Bevölkerung. Wie kommt man aber nun von dem einen zum anderen Fall? Der Lösungsweg führt über einen berühmten Schülerwitz. Da hat sich der Abiturient Horst auf Würmer vorbereitet, wird aber in der Biologieprüfung nach Elefanten gefragt. "Nun", sagt der kleine Horst, "im Verhältnis zum Elefant ist der Mensch nur ein Wurm. Die Würmer gliedern sich in folgende Klassen…" Dem Biolehrer verschlägt es für einen Moment die Sprache, dann fasst er sich und sagt: "Bravo, Horst, mit dieser Antwort werden Sie mal Bundespräsident." Soweit ist die Geschichte bekannt. Aber jetzt geht sie weiter. Der große Horst, nachdem er Bundespräsident geworden ist und sich ein Jahr lang auf die Kinderfrage vorbereitet hatte, dann aber plötzlich nach Neuwahlen gefragt wird, erinnert sich an seine Schülerzeit und antwortet: "Im Verhältnis zu den Problemen eines Erwachsenen wie Gerhard Schröder sind wir alle nur Kinder. Die Zahl der Kinder verringert sich in der Bundesrepublik aus folgenden Gründen…" Das ist die eine Lösungsvariante. Für die andere Variante müssen wir unsere Griechischkenntnisse zusammenkratzen und bei Plutarch nachlesen. In Plutarchs berühmtem Doppelporträt von Horst Köhler und Marc Anton (Zwei Elefanten ihrer Zeit) sagt der Bundespräsident: "Im Verhältnis zu den Problemen, die Marc Anton mit Cäsar hatte, sind meine Probleme nur Peanuts. Die Peanuts werden vornehmlich von Kindern gegessen…" Auch das mag noch rätselhaft klingen. Aber im Plutarch-Kommentar heißt es zu dieser Stelle: "Anspielung auf die Furcht Köhlers, bei sinkender Geburtenrate könnte es zu einer gefährlichen Erdnussschwemme kommen, vgl. das Erdnussgleichnis in Platons Symposion, wo Sokrates erklärt, im Verhältnis zur Erdnuss sei Schröder eine wahre Walnuss." Verstehen Sie jetzt die Furcht Köhlers? Wenn in der Walnuss der Wurm steckt und der Elefant zur Mücke schrumpft, dann wäre für die Neuwahlen.