Das Klinsi-Fieber im deutschen Fußball steigt, jetzt hat es die Bundesliga erwischt. Nicht anders lassen sich die Mannschaftsfotos des alljährlich erscheinenden Kicker-Sonderhefts zum Saisonstart deuten. Jürgen Klinsmann hat es vorgemacht: Um eine Mannschaft kümmern sich nicht mehr nur ein Trainer und ein Cotrainer, sondern Fitness-Betreuer, Assistenten und Psychologen. Wir müssen professioneller werden, hat Klinsmann betont, und dahinter steckte der Vorwurf, man sei hierzulande nicht auf dem aktuellen Stand. Das wollen sich die Bundesliga-Teams natürlich nicht vorwerfen lassen und zeigen ihren Stab vor - in Mannschaftsgröße und erstmals in eigenen Trikots. Zum Beispiel Schalke 04, da füllen die Betreuer eine eigene Reihe auf dem Foto: Ökotrophologe Frank, Zeugwart Heil, Mannschaftsarzt Rarreck, die Physiotherapeuten Zieleznik, Niehüser und Ohland, Rehatrainer Papadopoulos, Betreuer Neumann, Cotrainer Slomka, Torwarttrainer Reck, Trainer Rangnick.

Was wollen uns die Vereine damit sagen? Der Fußball, so die Botschaft, ist heute so kompliziert geworden, dass wir für jedes Fachgebiet Experten brauchen. Gerhard Schröder rief Kommissionen ein, wenn er Expertenrat suchte, der Fußball zeigt jetzt seine Spezialisten vor. Anruf bei Rainer Holzschuh, seit 1988 Chefredakteur des Kicker. Stimmt, das ist doll, Menschenskinder, sagt er und blättert in seinem eigenen Heft. Schlagen Sie mal Seite 91 auf!, sagt Holzschuh. Bei Leverkusen zähle ich sogar zwölf! Vielleicht haben die sich das wirklich bei Klinsmann abgeschaut. So mancher ehemalige Profi kann sich wieder fühlen wie früher. Kaiserslauterns Extorwart Gerry Ehrmann steht da mit herausgestreckter Brust, als sei er nicht Torwart-Trainer, sondern die ewige Nummer eins seines Clubs. Die Größe dieser neuen zweiten Mannschaft hat mit dem Jahresetat des Vereins nichts zu tun, selbst die Zweite Liga macht mit. Alemannia Aachen zeigt zehn Mitarbeiter vor, und so mancher Präsident eines Zweite-Liga-Clubs drängelt mit aufs Bild.

Schließlich hat das Heft eine Auflage von einer Million Exemplare.

Früher, erzählt Holzschuh, sei es schwierig gewesen, rechtzeitig mit den Vereinen einen Fototermin zu vereinbaren. Einmal hatte er einen Streit mit dem Manager von Arminia Bielefeld, der den Fotografen vorschreiben wollte, welcher Bildausschnitt veröffentlicht wird. Holzschuh weigerte sich und zeigte die Mannschaft mit einzelnen Porträtaufnahmen. Kurze Zeit später wurde der Manager entlassen. Der Hauptsponsor hatte sich fürchterlich aufgeregt, weil sein Logo nicht zu sehen war. Seitdem, sagt der Kicker-Mann, läuft die Zusammenarbeit hervorragend. Und was macht der FC Bayern? Zeigt lediglich sieben Mitarbeiter. Das passt: Die Münchner sind von Jürgen Klinsmann nicht ganz so begeistert.