Der junge Robert Parker war nicht gerade prädestiniert, einmal der mächtigste Weinkritiker der Welt zu werden. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er auf einer Milchfarm im kleinen Örtchen Monkton im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Bis zu seinem 18. Lebensjahr trank er Milch oder Coca-Cola. Niemals habe er auf dem gedeckten Tisch seines Elternhauses eine Flasche Wein gesehen, berichtet er der Autorin Elin McCoy in der vor wenigen Wochen erschienenen Biografie The Emperor of Wine. The Rise of Robert M. Parker, Jr. and the Reign of American Taste.

Heute herrscht Parker mit seinem Urteil über den globalen Markt für Spitzenweine. "Es gibt jede Menge Weinführer und Kritiker, die ihre Bewertungen veröffentlichen, aber nur Parker hat die Macht, mit einer Note auf seiner 100-Punkte-Skala unmittelbar die weltweite Nachfrage nach einem Wein und damit den Preis festzulegen", sagt ein französischer Makler für Topweine.

Begonnen hatte alles 1968. Während eines Aufenthalts in Frankreich probierte der Student Parker zum ersten Mal Qualitätsweine. Es war der Anfang einer Obsession. "Ich habe mich immer an die Regel gehalten, dass alles, das es wert ist, getan zu werden, es auch wert ist, exzessiv getan zu werden", sagt Parker heute.

Betrieb der Anwalt und Autodidakt mit einer Leidenschaft für Bordeaux-Weine das Weinverkosten anfangs nur als teures Hobby, so lancierte er in den siebziger Jahren The Wine Advocate, eine sechsmal jährlich erscheinende Sammlung von Weinbewertungen. Ursprünglich war die Publikation als reine Verbraucherhilfe gedacht, die von der Weinindustrie vollkommen unabhängig sein sollte. Anders als die meisten Fachtitel kommt The Wine Advocate ganz ohne Werbung aus und trägt sich allein über die Abonnementgebühren.

Der Durchbruch gelang Parker 1985 mit dem umfangreichen Buch Parker Bordeaux, das heute als Standardwerk gilt. Mit einem Team verkostet Parker inzwischen nahezu das gesamte Spektrum der weltweit im Hochpreissegment angebotenen Weine, von wuchtigen kalifornischen Cabernet Sauvignons bis hin zu edelsüßen Rieslingen aus Deutschland.

Kritiker, vor allem jene aus Europa, werfen ihm vor, eine Globalisierung oder gar eine "Amerikanisierung" des Weingeschmacks eingeleitet zu haben. Der von Parker geschätzte Wein ist hoch konzentriert, alkoholstark und säurearm mit einer reichlichen Note Eichenholz. Selbst Kritiker räumen aber ein, dass es sich bei Robert Parker um ein olfaktorisches Genie handelt. Parker selbst weiß um seine Gabe: "Wenn ein Wein in meinen Mund gelangt, dann sehe ich ihn. Ich sehe ihn in drei Dimensionen", sagte er der US-Zeitschrift Atlantic Monthly einmal. Auch wenn Parker ihn sieht – versichert hat er dann doch seine Nase: für eine Million Dollar. ( exl )