Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten droht in mehrere Teile zu zerfallen - doch viele Beobachter vermuten, dass die Zersplitterung die Arbeitnehmervertretungen eher stärken als schwächen wird. Eine Gruppe von Gewerkschaften, allen voran die Service Employees International Union sowie die International Brotherhood of Teamsters, tritt aus dem nationalen Gewerkschaftsbund AFL-CIO aus. Zusammen haben sie immerhin 3,2 Millionen Mitglieder, und sie sind nicht die Einzigen, die den Verband verlassen haben.

In den Jahren zuvor hatten sich schon etliche kleinere Gewerkschaften vom AFL-CIO losgesagt.

Der Grund für die Trennung liegt in der unterschiedlichen Auffassung über die künftige Positionierung der amerikanischen Gewerkschaften: Die Rebellen haben sich nämlich eine deutlich aggressivere Politik vorgenommen als der AFL-CIO und sein am Konsens orientierter 71-jähriger Chef John Sweeney. Ihm wird vorgeworfen, dass er den Abstieg der Gewerkschaften nicht habe aufhalten können, der hauptsächlich durch das Schrumpfen der amerikanischen Industrie und die Automatisierung verursacht wurde. Die neue Koalition hat sich Change to Win genannt, Wandel für den Sieg. Sie will Großunternehmen wie Wal-Mart frontal angreifen, den Gewerkschaften auf diese Weise mehr Aufmerksamkeit verschaffen und somit kräftiger um Mitglieder werben.