Nicht nur in den USA knallten nach dem Bilderbuchstart des runderneuerten Space Shuttles Discovery die Korken. Auch hierzulande wurde gejubelt. Denn nur mit dem amerikanischen Raumgleiter kann der europäische Beitrag zur Internationalen Raumstation (ISS) in Betrieb gehen. Seit einem Jahr steht das 13 Tonnen schwere, eine Milliarde Euro teure Weltraumlabor Columbus fertig in einer staubfreien Halle beim Hersteller EADS Space Transportation in Bremen. Es sollte im vergangenen November starten. Doch der Absturz der Columbia 2003 machte einen Strich durch den Terminplan. Jetzt hoffen fast 2000 Wissenschaftler, die ihre Experimente in der acht Meter langen Forschungsröhre durchführen wollen, auf einen Termin Anfang 2007.

Noch ist keineswegs sicher, dass es dazu kommt. Denn Columbus darf erst bei Start Nummer neun mit an Bord eines Raumgleiters. Geht auf einem der acht vorherigen Shuttle-Flüge etwas schief, reist das Weltraumlabor nicht ins All, sondern höchstens ins Deutsche Museum nach München. Denn mit einer normalen europäischen oder russischen Rakete kann es nicht starten. Dafür ist es zu groß und reagiert zu empfindlich auf Druck und Vibration. Raketen anderer Raumfahrtnationen können an der ISS noch nicht einmal andocken. Und bis zu dem in knapp zehn Jahren geplanten Erstflug des Shuttle-Nachfolgers CEV (Crew Exploration Vehicle) ist Columbus völlig veraltet – die Väter und Mütter vieler Experimente haben dann das Rentenalter überschritten.

Sogar wenn die auf drei Exemplare zusammengeschmolzene Shuttle-Flotte bis 2007 durchhält, wird das Weltraumlabor nur für geteilte Freude sorgen. Die Nasa weiß ihre Monopolstellung nämlich zu nutzen. Als Gegenleistung für den Transport zur ISS hat sie die Hälfte der Forschungskapazität des Weltraumlabors für sich reserviert. So schwingt in der europäischen Erleichterung über die Wiederaufnahme der bemannten US-Raumfahrt eine große Portion Ärger mit – über die Abhängigkeit, in die man sich mit Columbus hineinmanövriert hat.