Recht haben sie, der Grüne und die beiden Schwarzen. Endlich einmal Politiker, die für mehr Gerechtigkeit bei der Mehrwertsteuer sorgen wollen.

So simpel wie jetzt sollte die Steuer nicht bleiben. Zwei Sätze - sieben Prozent für das Lebensnotwendige wie Nahrungsmittel und Zeitungen, 16 Prozent (bald 18, wenn sich die Union durchsetzt) für alles Übrige - lassen die wünschenswerte soziale Differenzierung vermissen.

Deshalb trifft Joschka Fischer ins Schwarze: Bei Luxuswaren, wo es auf Geld gar nicht mehr ankommt (Fischer), muss ein höherer Satz her. Aber warum eigentlich nur einer? Es wäre noch weitaus gerechter, auch zwischen bescheidener Goldbrosche und üppigem Diamantencollier, zwischen Edel-Cabrio (mehrere hunderttausend Euro) und Hochseeyacht (viele Millionen Euro) zu unterscheiden.

Sympathisch auch die Idee der Christdemokraten Peter Müller und Christoph Böhr, zum Wohle der Familien Windeln und Kinderkleidung nur noch zum ermäßigten Satz zu besteuern. Aber bitte nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Kinderreiche haben einen höheren Rabatt verdient, am besten nach Kinderzahl gestaffelt.

Konsequent wäre es, grundsätzlich eine zweite, progressive Mehrtwertsteuer einzuführen, die sich am Einkommen orientiert. An der Supermarktkasse hätte dann der Kunde nur den jüngsten Steuerbescheid vorzulegen. Es ist eine Lebenslüge, dass wir einfache Steuern wollen. Wir wollen Gerechtigkeit - auch wenn die Steuer so kompliziert ist, dass sie niemand mehr versteht.