Hannover

Was für eine Kulturveranstaltung ist das denn? 135 Künstler auf 34 Bühnen an einem Abend unter freiem Himmel - 15 solcher Abende in drei Wochen am selben Ort - Abend für Abend ausverkauft ohne jede Werbung. Limitierung auf 3000 Zuschauer, obwohl Platz für doppelt so viele wäre und keine öffentlichen Subventionen fließen. Sponsoren willkommen, aber sie dürfen ihre Logos und Produkte nicht zeigen. Und das im 20. Jahr jetzt!

So ein Festival gegen alles Branchenübliche gibt es in Hannover, und sein Erfinder, Leiter und Garant ist ein Mann, der nichts davon hat außer Arbeit und Spaß. Morgens macht er seinen Brotjob als Kulturdezernent im Rathaus, von nachmittags bis nachts zieht er dann zwischen Artisten, Schauspielern, Technikern und Köchen umher. Wenn er um sieben seine Gäste vor verschlossenen Toren begrüßt, wissen viele nicht einmal seinen Namen. Und um halb elf, wenn er sie in das allabendliche Feuerwerk entlässt, kennen sie ihn immer noch nicht. Für sie ist er einfach der Mann mit dem Zylinder.

Harald Böhlmann trägt den Hut so bewusst wie selbstbewusst. Als er vor zwölf Jahren sein Amt antrat, riet man ihm zum Verzicht auf die Kopfbedeckung.

Schließlich sei er bei Abwesenheit des Oberbürgermeisters und dessen Stellvertreter der höchste Repräsentant der Stadt. Aber der Mann mit dem Zylinder ohne Zylinder - das konnte er sich nicht vorstellen.

Das Kleine Fest im Großen Garten versteht Dezernent Böhlmann als eine Hommage an den Schauplatz, die Herrenhäuser Gärten. Wo einst barocke Feste gefeiert wurden, wo Händel komponierte, da gibt er ein Fest der bürgerlichen Demokratie. Vergnüglich soll es sein, persönlich, nicht rummelig, nicht dröhnend, keine Kirmes. Und die Hannoveraner haben das verstanden. Die Karten kaufen sie im Frühjahr, ohne Kenntnis des Programms, am Tag X rücken sie mit Bollerwagen und Regenzeug an. Wer's bis zum Sonntag noch miterleben will, sollte sich mittags um eins vors Kassenhäuschen setzen.Sechs Stunden auf dem Campingstuhl, da kann man sich schon mal einstimmen.