Man kann dieselbe Geschichte bekanntlich auf verschiedene Weise erzählen.

Bei Jan Ullrich wäre es dieses Jahr so einfach gewesen: Der beste deutsche Radrennfahrer aller Zeiten greift immer wieder den großen Amerikaner an, trotz Sturz, trotz Niederlagen, trotz Rippenverletzung. Immer wieder auf dieser langen Tour hängt er alle anderen großen Rennfahrer ab, fast alle. Er scheitert an dem großen, unbesiegbaren Amerikaner. Der schmerzverzerrte Ullrich wird Dritter. Ein toller, auch ein bisschen tragischer Kampf.

Eigentlich der Stoff, aus dem Helden gemacht werden.

Die Berichterstatter haben kollektiv eine andere Fassung dieser Geschichte gewählt: Ullrich ist zu dick, zu faul, zu wenig explosiv. Er versagt, er nützt seine Möglichkeiten nicht. So schrieben sie. Zwei Minuten nach einer grandiosen Pyrenäen-Etappe tickerte über den Teletext: Ullrich enttäuscht erneut. Die Berichterstatter nahmen fast ohne Ausnahme die Haltung des dicken Zuschauers ein, der mit Bier und Chips im Fernsehen die vergebene Torchance sieht und sich ereifert: Das muss doch sitzen.

Man wünscht ihnen alle eine steile Bergetappe. Und es soll verdammt heiß werden.