Sie ist, kein Zweifel, eine der attraktivsten, vor allem aber eine der intelligentesten Frauen, deren sich Amerika im vergangenen Jahrhundert rühmen konnte. Wie hell die graublauen Augen aufblitzten, wenn eine Frage des Autors dieser Zeilen die Substanz ihres Denkens und Handelns berührte. Wie hell das Lachen, wenn ihr eine Formulierung in unserem Gespräch vor der Kamera witzig genug geglückt war, ohne verspannte Eitelkeit, doch voller Vergnügen am Wort, am Gedanken, am Gelingen.
Sie trug Jeans (vermutlich vom Designer) und eine schlichte dunkle Bluse. Das Haus in Santa Monica war keineswegs eines der weißen Schlösser, in denen die Stars, die berühmten Regisseure, vor allem die Großproduzenten zu residieren pflegen, sondern ein bürgerlich-freundliches Haus in einer freundlich-bürgerlichen Straße, gemütlich und ein wenig abgewohnt. Und die Ranch in den Bergen über Santa Barbara war eher eine Tagungsstätte für politische und soziale Aktivisten, wie es der Gesinnung Jane Fondas entsprach.
Und der ihres Gefährten jener Jahre: Tom Hayden, einer der Chicago Seven, denen der Prozess »wegen Verschwörung zum Aufruhr« gemacht wurde, weil sie während des Demokratischen Parteitags im Jahre 1968 mit Abertausenden Studenten gegen den Vietnamkrieg rebelliert hatten. In wilden Straßenschlachten, in denen der Chronist mehr Tränengas geschluckt hat, als ihm zuträglich war. Alle sieben wurden freigesprochen. Es gab noch Richter in Amerika.
Tom Hayden, kein grundsympathischer Mensch, das Gesicht von Pockennarben, mehr noch von intellektueller Arroganz, wenn nicht von einer Neigung zur Fanatisierung gezeichnet: Er sah es nicht gern, dass sich seine Frau mit dem deutschen Fernsehen einließ. Indes, sie hatte uns ihr Wort gegeben, und sie hielt es.
Es wäre hübsch gewesen, ihr lange Jahre später wieder guten Tag zu sagen, als sie sich für zwei Tage in unserer südfranzösischen Nachbarschaft aufhielt, aus traurigem Anlass, und sie gerade darum an unser vergnügtes Lachen zu erinnern; vielleicht auch an den Schock, mit dem sie, kaum übersetzbar, auf meine Interviewfrage reagierte, ob sie sich als Sozialistin bekenne: »For Gods sake: no! I’m a liberal. A radical liberal, if you want, a bleeding heart liberal, whatever – but a socialist? No way.« Der Frager hätte bedenken müssen, dass Richard Nixon und seine politische Schlägergarde – darin durchaus stalinistisch – den Sozialismus als eine Vorstufe zum Kommunismus betrachteten, wenn nicht als eine Camouflage. Jane Fonda hatte wahrhaftig Anlass, für solchen Verdacht auch nicht den Schein einer Bestätigung zu liefern. Indes, sie trug dem Frager den Mangel an Umsicht nicht nach.
Bei der Trauerprozession für Roger Vadim war sie eine von fünf Exfrauen
Wenn nun die Fernsehbilder nicht täuschten, dann war sie – die Erfinderin der Aerobic-Industrie – in den drei Jahrzehnten seit jenem intensiven und dennoch heiteren Gespräch kaum älter geworden. Denn wir standen dann doch nicht am Wegesrand und winkten schüchtern, als der Sarg ihres Exmannes Roger Vadim zum alten Friedhof von St. Tropez hinauftransportiert wurde, in dem schönsten und exklusivsten Quartier des Städtchens, in dem nur die Bürger aus den alteingesessenen Familien und ein paar auserlesene Mitglieder des Jetsets ihre letzte Unterkunft finden.
Wenn denn einer der hohen Ehrung würdig war, dann der Dahingeschiedene, der mit seinem frechen Filmchen Und Gott erschuf die Frau die Neugier der Welt auf das idyllische Fischer- und Malernest an der Côte des Maures gelenkt hatte, dank seines blutjungen Stars Brigitte Bardot, die sich in jenen Jahren als eine französische Marilyn Monroe mit einem Gran Ratio beschreiben ließ. Die eigenwillige Dame, dem Nest bis heute treu geblieben, hatte Roger Vadim, der den Mythos St. Tropez mit Hilfe ihrer sensuellen Magie in die Welt setzte, das wohlverdiente Grab dort oben gesichert. Sie beide waren es, die dem idyllischen Nest die Chance verschafften, eine eher vulgäre Tourismusindustrie zu entwickeln, die Sommer für Sommer Hunderttausende von Pilgern herbeiströmen lässt (und damit die Kassen der Restaurants und Cafés, der Hotels und der Boutiquen aufs verlässlichste füllt).
Sie ist, kein Zweifel, eine der attraktivsten, vor allem aber eine der intelligentesten Frauen, deren sich Amerika im vergangenen Jahrhundert rühmen konnte. Wie hell die graublauen Augen aufblitzten, wenn eine Frage des Autors dieser Zeilen die Substanz ihres Denkens und Handelns berührte. Wie hell das Lachen, wenn ihr eine Formulierung in unserem Gespräch vor der Kamera witzig genug geglückt war, ohne verspannte Eitelkeit, doch voller Vergnügen am Wort, am Gedanken, am Gelingen.
Sie trug Jeans (vermutlich vom Designer) und eine schlichte dunkle Bluse. Das Haus in Santa Monica war keineswegs eines der weißen Schlösser, in denen die Stars, die berühmten Regisseure, vor allem die Großproduzenten zu residieren pflegen, sondern ein bürgerlich-freundliches Haus in einer freundlich-bürgerlichen Straße, gemütlich und ein wenig abgewohnt. Und die Ranch in den Bergen über Santa Barbara war eher eine Tagungsstätte für politische und soziale Aktivisten, wie es der Gesinnung Jane Fondas entsprach.