Köhler verweist hier auf einen Sachverhalt, der in den politischen Debatten der vergangenen Wochen weithin untergegangen ist. Der Kanzler muss die Vertrauensfrage keineswegs mit dem Ziel stellen, sie zu "gewinnen", also das Vertrauens bestätigt zu bekommen. Nicht nur der offenkundige "Minderheitskanzler", sondern auch der bisherige "Mehrheitskanzler" kann Neuwahlen ansteuern. Siehe das Karlsruher Urteil von 1983: Aus der Sicht des Verfassungsgebers sei hinreichend deutlich, dass "der Bundeskanzler das Verfahren gemäß Art. 68 GG mit dem primären Ziel, zu Neuwahlen zu gelangen, einleiten darf". Er muss freilich damit rechnen, dass der Präsident die politische Lage anders bewertet und sich verweigert.

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