Auf allen Kontinenten streicht der Computerkonzern IBM derzeit Jobs oder verlagert sie in andere Länder. IBM ändert seine geografischen Schwerpunkte: weg von Japan und Westeuropa, hin nach Osteuropa, Asien und Lateinamerika. Bereits Mitte Mai hatte IBM-Chef Sam Palmisano gegenüber Investoren die neue Strategie erläutert. Wer künftig Erfolg haben wolle, müsse auf die neuen Wachstumsländer setzen: "Insbesondere in China, Indien, Brasilien und Russland wollen wir unsere Position ausbauen."

Damals hieß es noch, IBM werde 13.000 von weltweit 330.000 Arbeitsplätzen streichen. Seit vergangener Woche ist von 14.500 Jobs die Rede.

Anders als andere Konzerne will IBM den Großteil der Stellen abbauen, ohne Kündigungen auszusprechen. Die Mitarbeiter unterschreiben stattdessen so genannte freiwillige Aufhebungsverträge, die ihnen eine Abfindung garantieren. Das macht den Konzernumbau schneller und leiser, weil weniger Proteste drohen – aber auch teurer. "Die Abfindungen werden vor allem mit dem Geld aus dem Lenovo-Deal finanziert", sagt Rolf Schmidt, der für die Gewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat von IBM-Deutschland sitzt. Vor kurzem hatte IBM die Produktion von Personalcomputern an das chinesische Unternehmen Lenonovo verkauft – und dafür einen Sondergewinn von 1,1 Milliarden Dollar kassiert.

Zahlen für einzelne Länder veröffentlicht IBM nicht, aus Unternehmenskreisen wurde jedoch bekannt, dass bereits rund 3000 der 25000 deutschen Mitarbeiter von IBM einen Aufhebungsvertrag unterschrieben haben sollen. Für jene, die in kurzer Zeit eine neue Anstellung finden, kann sich dahinter mitunter ein lohnendes Geschäft verbergen: Sie kassieren die Abfindung von IBM und wechseln nahtlos zu ihrem neuen Arbeitgeber. Vielen älteren Mitarbeitern dürfte dieser Weg allerdings verwehrt bleiben. In der traditionell jugendlichen Computerbranche droht ihnen die dauerhafte Arbeitslosigkeit. ( UCH )