Offiziell ist der Irak-Krieg längst beendet. Zwischen den ersten Bombardements auf Bagdad am 20. März 2003 und dem "erklärten Ende größerer Kampfhandlungen" am 1. Mai 2003 lagen gerade sechs Wochen. In dieser Zeit fielen 171 Soldaten der Alliierten, mindestens 2.300 irakische Soldaten, eine unbekannte Zahl von Zivilisten sowie 10 Journalisten.

Doch das große Sterben setzte nach dem Krieg ein. Es kam zum Aufstand radikaler Schiiten, zu Geiselnahmen und zu Unruhen im "sunnitischen Dreieck" zwischen Bagdad, Ramadi und Tikrit. Ständige Selbstmordanschläge terroristischer Organisationen wie der al-Qaida-nahen Ansar al Islam oder der Miliz des Jordaniers Abu Musab al-Sarqawi fordern täglich Opfer unter Besatzungssoldaten wie Zivilisten – und ebenso die Offensiven der US-Streitkräfte gegen Aufständische.

Angaben über die Zahl irakischer Opfer schwanken zwischen 10.000 und 100.000. Laut einer in der vorigen Woche veröffentlichten Studie der britischen Nichtregierungsorganisation Iraq Body Count (IBC) starben seit Kriegsbeginn rund 25.000 Iraker. Gut 37 Prozent davon lastet sie den US-Truppen an; über 9.200 Zivilisten seien unter den Bombardements der ersten Kriegswochen gestorben. Platz zwei nehme die Kriminalität ein, die das Land seit Saddams Sturz heimsucht. Bewaffnete Banden hätten knapp 8.900 Personen getötet. Auf das Konto von Untergrundkämpfern gingen 9 Prozent (2.300), für weitere 2.700 Tote macht die Studie Unbekannte verantwortlich. Ob damit Terrorangriffe gemeint sind, lässt sie offen. Somit wäre jeder Tausendste der 25 Millionen Iraker seit 2003 ums Leben gekommen.

Die Studie zeigt, dass die Zahl der Toten seit 2004 stetig steigt – und dass die Regionen höchst unterschiedlich betroffen sind. Allein die Kämpfe um Falludscha forderten über 1.800 Tote. Mit über 45 Prozent aller Opfer haben jedoch die 5 Millionen Bewohner Bagdads die meisten Opfer zu beklagen.

Laut Iraq Coalition Casualty Count wurden bis Anfang dieser Woche 1.971 Koalitionssoldaten getötet, davon 1.777 US-Amerikaner.