Der berühmte Staudenzüchter und Gartengestalter Karl Foerster aus Potsdam hat nicht nur seine Pflanzen in alle Welt verkauft, sondern auch kleine Geschichten, Meditationen, Visionen aufgrund von Naturbeobachtungen geschrieben.

Karl Foerster lebte von 1874 bis 1970. Der Gartenpoet war der Sohn des Astronomen Wilhelm Foerster und der Malerin Ina Foerster. Das war ein guter Nährboden für sein eigenes Lebenswerk im Welt- und Gartenspiel, im Kreislauf von Werden und Vergehen. Es ist die Kraft der Bilder vom Wandel des Naturgeschehens, die uns heute noch gefangen nimmt.

Wenn Foerster die Rittersporne betrachtete, dann war ihm, als ob der "schönste blaue Himmel über der glühenden Reinheit dieser schillernden, kaum noch irdischen Gebilde" matt scheinen würde. Er glaubte, dass ein neuer Funke zwischen Himmel und Erde übersprang.

An einer Stelle im Buch heißt es: "Kein Tag kehrt wieder – keiner versinkt… Dieser Moment hatte einen hohen Sinn, du aber blinzeltest an ihm vorüber, plaudernd beim Kaffee." Sein im Jahre 1910 angelegter Garten in Potsdam-Bornim erhielt Aufmerksamkeit durch die Gestaltung mit Senk- und Steingarten, mit Frühlingsweg und vor allem durch die Züchtung unvergleichlicher Stauden. Aus einem Chaos von Arten und Sorten gelang ihm eine Symbiose aus Schönheit und Zuverlässigkeit. Heute steht der Garten unter Denkmalschutz und wird von seiner Tochter Marianne gepflegt.

Das Büchlein Warnung und Ermutigung ist eine Sammlung von aphoristischer Prosa, philosophischen Betrachtungen und poetischen Naturbeschreibungen. Man kann den Band in die Jackentasche stecken, sich auf eine Parkbank setzen und ein Gespräch von Natur zur Seele und von Seele zur Welt führen. In diesem Dreiklang schweben die Momentaufnahmen des Autors. Zwischen Gartenblumen, Gehölzen und Mensch bestehen freundschaftliche, ja verwandtschaftliche Verhältnisse, meint Foerster, aber man könne eine Wirkung daraus erst wahrnehmen, wenn man sich selbstvergessen dem Wechsel der Jahreszeiten hingeben würde.

In den Rhythmen der Natur fand er das Geheimnis der Zeit, offenbart durch das Licht im Raum. In der Pflanze sieht Foerster eine Kraft, die dem Menschen ein blühenderes Gefühl des Daseins schenken kann. Durch den Umgang mit Pflanzen geht der Sinn für das Blumenhafte im Mitmenschen auf, und wir erkennen, was in unseren Mitmenschen "blühwillig" ist, zugleich schafft der Umgang mit Rittersporn und Phlox Schutz vor den Dornen unserer Mitmenschen.

Foersters Betrachtungen strahlen Lebensmut aus. Uns wird bewusst, dass keine Pflanze der Welt "einen solchen Hang zum Blühen und Nachblühen hat" wie der Mensch. Nach mehr als dreißig Jahren ist nun die 8. Auflage des Büchleins erschienen.