Am 25. November 1970, 11 Uhr vormittags, fand im Hauptquartier der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte im Zentrum von Tokyo eine selbstmörderische Inszenierung statt, auf die das ganze Leben des Suizidanten zugelaufen war. Der weithin berühmte Dichter Mishima Yukio – so das Pseudonym für Kimitake Hitaoka, gewählt mit Anspielung auf den Namen eines Dorfes zu Füßen des Fujiyama – ließ für eine heruntergekommene Welt des "Geldes und des Materialismus", der "satten Bäuche", der "schal gewordenen Lust" und der "verkauften Unschuld" den heroischen nationalen Weckruf erschallen, das tenno heikai banzai! (Lang lebe der Kaiser!), dessen Beglaubigung der freie Tod sein sollte. Aus Blut und Gedärmen, von Gnaden eines brutalen Opfer-Aktes, sollte die Sonne Japans noch einmal aufgehen. Diese Szene macht die große belgisch-französische Autorin Marguerite Yourcenar zum Zentrum ihres Essays über Mishima und seine Todesvision.
Belletristik: Das blutige Werk
Marguerite Yourcenar stilisiert den Dichter Mishima Yukio zum Märtyrer des heroischen Japans