Die Stilisierung ignoriert aber vor allem, wie heillos paradox die politische Ästhetik der Szene ist: keine Tragödie, nicht einmal eine Tragikomödie, nur eine heroische Farce. Mishima war gewiss ins Scheitern verliebt. Doch das Projekt einer Restauration durch Rebellion, der Resakralisierung eines Tennos, der sich selbst säkularisiert hatte, konnte von vornherein nicht einmal die Würde eines ernsthaften Scheiterns haben.

Die Intentionen, denen der selbst scheiternde Großessay folgt, sind ehrenwert: Mishima gehört für Yourcenar wie einst die stoischen Philosophen zu jenen Meistern, die die "Kunst des heilsamen Sterbens" beherrschen: "Wie man sich mit dem Tode vertraut macht" – in großen Lettern schreibt’s der Essay. Der Tod als Vision der "Leere", die für den Buddhismus freilich eine hoch komplexe Chiffre des gewaltfreien Verlöschens ist. Das hagakure, Mishimas Samurai-Traktat, wird begeistert zitiert. Und man wundert sich geradezu, dass der von Yourcenar erstaunlicherweise ebenfalls ins tödliche Spiel gebrachte Montaigne mit seiner neostoischen Kunst des Sterbenlernens nicht auch schon ein Samurai und Seppuku-Praktiker war. Aber von Montaigne zu Mishima führt kein Weg, der gangbar, geschweige denn einladend wäre.