DIE ZEIT: Sie sind Vorsitzende einer Selbsthilfegruppe für Fibromyalgie. Bei dieser Krankheit schmerzt der ganze Körper, aber die Ärzte finden dennoch meist keine organische Ursache dafür. Welche Diagnose also bekommen Fibromyalgie-Patienten gestellt?

Brigitte Saxen: Viele. Deshalb lässt Fibromyalgie manchen Facharzt verzweifeln. Böse Zungen sprechen vom Koryphäen-Killer-Syndrom.

ZEIT: Und? Können Sie sich vorstellen, dass das Leiden psychisch bedingt ist?

Saxen: Ich denke schon, dass auch eine psychosomatische Erkrankung die Ursache sein kann. Aber was war zuerst da? Die Schmerzen oder ein psychisches Problem?

ZEIT: Über welche Beschwerden klagen denn die Betroffenen?

Saxen: Sie haben Schmerzen in der Muskulatur, Magenbeschwerden und Schlafstörungen, sie sind hyperempfindlich und wetterfühlig. Das kann wechseln. Manche Schmerzanfälle sind so heftig, als hätte man Migräne am ganzen Körper, dann helfen nur noch starke Schmerzmittel. Auch wenn einige Schmerzmediziner sagen, wir Fibro-Patienten neigen zum Katastrophisieren, muss ich das verneinen. Wir versuchen, unseren Lebensalltag zu führen.

ZEIT: Wie gehen die Mitglieder Ihrer Selbsthilfegruppe damit um, dass keine körperliche Ursache für ihr Leiden gefunden wird? Bestehen viele darauf, dass es doch eine gebe, die nur noch nicht entdeckt sei?

Saxen: Natürlich hört jeder am liebsten, dass seine Erkrankung organisch sei. Für manche gilt es als Zeichen von Schwäche, wenn es heißt, man habe nur nervliche Probleme.