Kairo, 18. September 1997. Vor dem Nationalmuseum geht ein Kleinbus in die Luft. Der Fahrer und neun Urlauber einer deutschen Reisegruppe sterben.

Die ägyptische Regierung stellt die Täter als Verwirrte hin. Knapp zwei Monate später kommt es noch schlimmer. Am 17. November zieht sich eine Blutspur über den Boden vor dem Tempel der Hatschepsut in Luxor. Die Gruppe Gamma'at al Islamiyya hat 62 Menschen massakriert, vier Ägypter und 58 Touristen, vornehmlich aus der Schweiz und aus Japan.

Scharm al-Scheich, 23. Juli 2005. Bei drei Anschlägen sterben in den frühen Morgenstunden 88 Menschen. Zwischen dem 17. November 1997 und den Attentaten der vergangenen Woche liegt der beispiellose Aufschwung des Urlaubslands Ägypten. Und manches spricht dafür, dass er nicht nachhaltig gestoppt wird.

Ein krisenfreies Reiseziel war das Land am Nil nie. Das politische Auf und Ab prägte seine Tourismuskarriere: die Kriege mit Israel, die Ermordung des Präsidenten Sadat. Andererseits ist Ägypten an fremde Besucher gewöhnt, seit 1869 Thomas Cook die ersten Pauschalreisenden zu den Pyramiden brachte. Doch das Land begnügte sich nicht mit Tempeltouristen auf Nilkreuzfahrt. Es erschloss Meere und Strände, und so entdeckten die Reisekonzerne, vermehrt seit Ende der achtziger Jahre, Ägypten als Winterziel für Taucher und Badeurlauber. Hurghada und Scharm al-Scheich auf der Sinai-Halbinsel entwickelten sich zu Tourismushochburgen. Im Jahr 1997 ließen die Urlauber drei Milliarden Dollar an Devisen im Land.

Im November dann das Attentat, im Dezember ist Ägypten quasi leer. Im darauf folgenden Jahr verbringen eine halbe Million weniger Urlauber dort ihre Ferien. Bei den deutschen Gästen ist der Rückgang gravierend: Die Zahl sinkt von 438 000 auf 274 000.

Ägypten stellt sich der Katastrophe. Die Regierung versucht verstärkt, ausländische Urlauber zu schützen. Die Touristenpolizei zeigt Präsenz, Busse fahren auch heute noch auf ihren Rundreisen nach Assiut, der Islamistenhochburg, im Konvoi von Polizisten begleitet. Hotels erhalten Sicherheitsschleusen. Knapp zwei Jahre später klettern die Touristenzahlen wieder in die Höhe und überflügeln deutlich alle Werte vor dem Attentat.

Djerba, 24. April 2002: Bei einem Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Urlaubsinsel sterben 14 deutsche Touristen. Entsprechend lange bleibt das Thema in den heimischen Medien. Die Zahl der deutschen Besucher sinkt um mehr als 100 000. Es dauert über zwei Jahre, bis sich Tunesien touristisch erholt.