Der Maji-Maji-Krieg, dessen Beginn sich in diesem Sommer zum hundertsten Mal jährt, ist, wie die Herausgeber einleitend beklagen, "ein fast vergessener Krieg" geblieben. Dabei waren die Folgen der deutschen Kriegsführung in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, erheblich. Deutsche Maschinengewehre und die Taktik der verbrannten Erde führten aufseiten der afrikanischen Bevölkerung zu Hungersnöten, Epidemien und dem Zerfall sozialer Strukturen. Der Name, den die Deutschen der Serie antikolonialer Erhebungen im Süden ihres "Schutzgebietes" gaben, bezog sich auf ein besonderes Wasser (auf Kiswahili: maji), von welchem viele Aufständische glaubten, dass es sie gegen die Gewehrkugeln immun mache.

Die vorliegende Anthologie vereint Beiträge von deutschen und tansanischen Wissenschaftlern zu den ökonomischen Hintergründen des Krieges, zum Kriegsverlauf, zur religiösen Dimension, zur Darstellung des Krieges auf deutscher und afrikanischer Seite und schließlich zu den kurz- und langfristigen Folgen. Die meisten Aufsätze sind konzis und forschungsnah geschrieben. In einem kurzen Schluss-Statement plädiert der in Deutschland lebende tansanische Pädagoge Isack Majura dafür, die deutschen Kolonialverbrechen nicht zu vergessen, aber zu vergeben. Reparationsforderungen seien wenig sinnvoll, aber die Deutschen müssten sich endlich auch zu ihrer historischen Schuld in ihren ehemaligen Kolonien bekennen.