Augsburg

Zu erzählen ist die Geschichte von der wundersamen Wandlung eines Mythos in eine graue Maus. Von einem über fünf Jahre in aller Welt gesuchten, beständig seine äußere Gestalt wechselnden Finsterling, der sich, endlich gefangen, als pflichtbewusster Staatsdiener entpuppt – wenn auch behaftet mit kleinen Makeln. Kurz: von Ludwig-Holger Pfahls, dem früheren Rüstungsstaatssekretär, der derzeit in Augsburg vor seinen Richtern steht, verdächtig, 1990 und 1991 geschmierte Waffengeschäfte betrieben zu haben.

Der Prozess geht seinem Ende zu. Noch ein paar hochkarätige Zeugen. Und eine zuvor in allen Farben ausgemalte Story findet ihr blasses Ende. Denn vom Karat etwa eines Politikers auf die Brisanz seiner Äußerungen zu schließen bleibt, zumal vor Gericht, leere Hoffnung.

Der damalige Justizminister Klaus Kinkel etwa mag sich gar nicht erinnern, wie es im Bundessicherheitsrat zuging, zu Zeiten des ersten Golfkriegs, als allerlei Waffenexportwünsche auf die Bundesrepublik niederfielen. Und der damalige Staatssekretär Pfahls war allenfalls "ein ausführendes Rad am Wagen". Nun ja. Ähnlich, wenn auch sprachlich weniger verwegen, urteilt der Exfinanzminister Theo Waigel. "Keinerlei Einflussversuche" habe sein Haus wahrgenommen.

Mit anderen Zungen reden zwei Exkumpels. Der Geschäftsmann Dieter Holzer, selbst affärengeplagt (Leuna/Elf Aquitaine, CDU-Parteispendenskandal), will Pfahls ständig geraten haben, sich der Justiz zu stellen. Aber dazu war der "offensichtlich zu feige". Und Karlheinz Schreiber, der angebliche Geldgeber (ebenfalls nicht unschuldig an der CDU-Affäre) lässt über die Augsburger Allgemeine mitteilen, Pfahls habe ein komplett falsches Geständnis abgelegt, nur um bald freizukommen.

Dass der Angeklagte nennenswerten Einfluss gehabt hätte, glauben beide nicht.

Ein Verfahren ist dies, welches von Anfang an äußerst zwiespältige Eindrücke hervorgerufen hat. Die 10. Strafkammer des Augsburger Landgerichts, insbesondere Maximilian Hofmeister, der Vorsitzende, führt es systematisch, präzise und zielgerichtet. Doch welches ist das Ziel?

Nicht jedenfalls die mühsam betriebene, am Ende vielleicht erfolglose Aufklärung, wie es dem Sujet – Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung – angemessen wäre. Es geht vielmehr um die öffentliche Manifestierung der Ergebnisse, die am Ende jener "Vorgespräche" standen, die der Vorsitzende gleich zu Beginn in die Hauptverhandlung eingeführt hat.