Einst war die selbst gedrehte Zigarette ein politisches Statement. Wer sie rauchte, war auf einem Campingplatz angekommen, gerne in Holland (im Hintergrund verstummte allmählich die Lüftung des VW-Busses), und packte erst einmal Tabak und weiße Filterblättchen aus. Diese Zigaretten waren oft krumm, zu dick, zu dünn - aber auf jeden Fall einzigartig. So individuell wie die Kippe wollte man schließlich selbst sein, keinesfalls aalglatt wie eine Fabrikzigarette. Die Zigarette im Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit versinnbildlichte die entfremdeten Produktionsbedingungen.

Wer in der New Economy selbst gedrehte Zigaretten rauchte, der wirkte nur noch wie ein Relikt aus den Siebzigern. Doch derzeit steigen immer mehr Raucher wieder auf billigeren Drehtabak um. Das Statistische Bundesamt ermittelte, dass fast ein Drittel mehr Feinschnitt als im Vorjahr verkauft wird.

Ein Lebensgefühl ist also wieder da: das der linken Protestdreher. Denn die Konjunktur des Drehtabaks kann wohl nicht nur auf die Erhöhung der Tabaksteuer zurückzuführen sein - der Konsum der Filterzigaretten ist kaum gesunken.

Bald werden die Dreher bestimmt eine neu gegründete Partei wählen. Oder eine umbenannte.