Man wünscht sich stets das, was man selbst nicht hat. Die FDP, deren Vorsitzender immer noch Guido Westerwelle heißt, fordert in ihrem Wahlprogramm Kultur. Sie solle als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden. Das klingt vollmundig, aber leider geht aus einem Staatsziel nichts hervor. Es wird keine Oper vor ihrer Schließung bewahren, und im günstigsten Fall ist es eine Nelke im Knopfloch, zumal bei der FDP, Deutschlands ehrlichster Partei. Sie steht für wirtschaftspolitischen Neoliberalismus, Abbau sozialer Rechte und Demütigung der Gewerkschaften.

Intellektuell ist sie ohne Profil, und sie scheint es auch nicht zu vermissen. Die FDP ist keine Partei mehr, mit der man Vorstellungen von Kultur verbindet, vom großen Einzelgänger Gerhart Baum abgesehen. Nun hofiert Westerwelle die Hochkultur, weil er die FDP vom Narrenkleid der Spaß- und Eventpartei befreien will. Es wird ihm nicht gelingen, denn das Kostüm ist sein eigenes.