Was soll daran falsch sein? Das ist ein politischer Prozess, der vor allem das Heer der Nichtwähler einbinden könnte. Vielleicht braucht Deutschland keine Linkspartei, aber neue Parteien braucht es auf alle Fälle.

ANDREAS JERGENTZ, BRAUNSCHWEIG

Nein, Deutschland braucht keine Linkspartei! Denn wir haben ja die ZEIT, die uns erklärt, wie der Hase läuft: Die Produktionsbedingungen haben sich radikal verändert, jawohl, und also ist es die Pflicht eines jeden verantwortungsbewussten Wählers, dafür zu sorgen, dass die Kreise der Produktionsbedingungen bloß nicht durch die Politik gestört werden. Man weiß ja nicht, wohin sich die Produktionsbedingungen sonst noch verändern könnten, wenn man sie nicht so lässt, wie sie wollen. Lassen wir lieber die Finger davon!

Nein, wir brauchen keine Linkspartei! Denn die Sicherheitszäune sind eingerissen, genau, und seitdem findet Politik nicht mehr statt. Aber nicht nur Politik findet nicht mehr statt, nein, auch Kreativität und das Denken in Alternativen haben sich verflüchtigt. Denn die Produktionsbedingungen erwarten von uns, dass wir die Verwaltung des Mangels der vielen und die Profitmaximierung der wenigen als den Gipfel der Staatskunst betrachten.

Wir brauchen keine Linkspartei, keinen Gysi, keinen Lafontaine. Wir brauchen die Agenda 2010 und den Kosovo-Krieg, wir brauchen Guido Westerwelle und Roland Koch. Nun gebt doch endlich Ruhe, ihr miesepetrigen Besitzstandswahrer, und lasst Frau Merkel Deutschland dienen.

FRANZ WÖSTE, CELLE

Es stimmt jedes Wort, was Martin Klingst über die neue Linke schreibt, und dennoch ist es nur die halbe Wahrheit. Einst war die SPD angetreten, das Los und die Teilhabe der arbeitenden Menschen zu verbessern. Zielgruppe von Lafontaine und Co. jedoch ist das schnell wachsende Heer von Nichtarbeitern - vom Arbeitslosen bis zum Rentner oder Vorruheständler. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf die Transferleistungen angewiesen sind und zu Recht den willkürlichen Umgang des Gesetzgebers bei deren Gestaltung fürchten.