Die Lage in Deutschland hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert.

Deutsche Exporte erreichen Rekordniveau. Die Löhne und Gehälter deutscher Arbeitnehmer aber stagnieren seit Jahren, die Binnenkonjunktur, die immerhin etwa 70 Prozent des gesamten wirtschaftlichen Volumens ausmacht, stagniert ebenfalls als Deutschland.

Aufgrund der bescheidenen Lohnentwicklung der letzten Jahre können Arbeitnehmer ihren Teil der für die Binnenkonjunktur notwendigen Nachfrage nicht mehr finanzieren. Wer es doch noch könnte, hält sich zurück, denn der Abschied vom behaglichen Sozialstaat bedeutet natürlich, dass man die - bisher immerhin durch Arbeit erworbene - soziale Sicherheit durch höhere Ersparnisse ersetzen muss, soweit man dazu überhaupt in der Lage ist.

Meine Heimat USA versteht die Bedeutung der Binnennachfrage für eine gesunde Wirtschaft sehr viel besser.

Es ist auch erstaunlich, dass das in meinem Heimatland als wirtschaftliches und gesellschaftliches Versagen empfundene Problem der working poor, also der Geringstverdiener, in Deutschland geradezu als zukunftsweisendes Erfolgsrezept gepriesen wird. In der Umgangsprache meiner amerikanischen Heimat ausgedrückt: The Germans just don't get it.

ROGER STRASSBURG, OBERPFRAMMERN

Meines Wissens war Oskar Lafontaine sehr früh dagegen, die Wiedervereinigung über die Sozialkassen zu finanzieren, wie es Horst Köhler vorgeschlagen hatte. Ohne diese einseitige Belastung der Arbeitnehmer könnten die Rentenbeiträge vier Prozent niedriger angesetzt werden (laut VDK). Es ist nur logisch, dass eine Linkspartei sich dafür einsetzt, diejenigen zu belasten, die sich von 1990 an der finanziellen Mitverantwortung für die deutsche Einheit entzogen haben und sich wohl gern weiterhin wegducken würden. Das ist übrigens ein Punkt, an dem Schröder auf ganzer Linie versagt hat - nach der Flüchtlingswelle des Zweiten Weltkriegs gab es den Lastenausgleich, nach der Wiedervereinigung die Belastung der Sozialkasssen und den Solidarzuschlag zulasten der Arbeitnehmer!