Aus Anlass des 175-jährigen Jubiläums des Hamburger Schachklubs von 1830, eines der ältesten, stärksten und sicher des größten hierzulande, ist noch bis zum 28. August im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine einmalige Ausstellung zu besichtigen. Mehr als 400 Exponate geben Einblick in die uralte Schachgeschichte, wobei man neben herrlichen Schachspielen aus der größten und schönsten Sammlung der Welt von Thomas Thomsen, dem Präsidenten von Chess Collectors International, auch Arbeiten von Man Ray, Max Ernst, Marcel Duchamp, Alfred Hrdlicka, Horst Janssen, Paul Weber und vielen anderen bewundern kann. Diese Ausstellung erfüllt den Satz des mittelalterlichen spanischen Königs Alfons X. des Weisen: "Schach ist das edelste aller Spiele." Nicht nur durch "unsterbliche Partien", subtile Strategien und verwegene Kombinationen, sondern auch durch Darstellungen des "königlichen Spiels" als Sinnbild der Welt und des Lebenskampfs, aber auch ursprünglich des Kriegsgeschehens.

In Hamburg darf man bei all der optischen Sinnenlust durchaus seine Konzentration verlieren, kann sie aber im Rahmenprogramm bei Wunsch auch wieder stählen. Täglich bietet der Hamburger Schachklub mit Großmeistern und Schachlehrern Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an, außerdem kann man mit den preisgekrönten Schachprogrammen und -computern der Firma Chessbase lernen und spielen und dann vielleicht das indische Sprichwort besser verstehen: "Das Schachspiel ist wie ein See, in dem eine Mücke schwimmen und ein Elefant ertrinken kann."

Nichts läge mir ferner, als den mittlerweile gestandenen Hamburger Großmeister Matthias Wahls mit einer Mücke zu vergleichen, doch als vor genau 20 Jahren der Jüngling den damals frisch gebackenen Weltmeister Garri Kasparow bei einem Uhren-Handicap gegen die erste Mannschaft des Hamburger Schachklubs besiegte, da hatte er wahrlich einen Elefanten erlegt (übrigens findet man herrliche Darstellungen indischer Kriegselefanten als Türme in der Ausstellung).

Kasparow als Schwarzer mit einer Figur mehr dachte wohl in der Vorausberechnung, trotz seines recht luftigen Königs alle Gefahren abgewendet zu haben, zumal sowohl 1.Dxd3 Sxd3 als auch 1.Te7+ Kxd5 2.Txe5+ Sxe5 hoffnungslos für Weiß sind. Sehen Sie, wie Matthias als Weißer am Zug dennoch eine siegreiche Fortsetzung fand?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 30:

Mit welchem Paukenschlag rettete Schwarz das Remis? Es war der Patt-Trick 1…Tg3! , der die Spiele entschied. Auf 2.Txg3 könnte Schwarz nicht mehr ziehen, sein König stünde im Schach: also patt, sprich remis! Weiß musste auf seinen Bauern g2 verzichten, hatte nach 2.Th8 Txg2 3.e5 Tf2+ 4.Ke3 Tf1 keine Chance mehr, schließlich hat jetzt auch Schwarz einen Freibauern