Es gibt zwei mögliche Wege, über die ein Handy theoretisch die Benzindämpfe, wie sie beim Tanken in der Nähe des Tankstutzens herumwabern, entzünden könnte. Erstens durch das elektromagnetische Feld, das die Antenne erzeugt. Diese Gefahr hat der amerikanische Ingenieursverband IEEE im Jahr 2002 untersucht. Ergebnis: Eine metallische Antenne müsste mindestens eine Leistung von sechs Watt abgeben, damit überhaupt die theoretische Möglichkeit einer Entzündung besteht. Die ersten Handys hatten Leistungen um 20 Watt, heute liegen die Werte deutlich unter einem Watt – also keine Gefahr mehr.

Die zweite Möglichkeit: Ein Funke bringt die Dämpfe zur Explosion. Aber weder Klingelton noch Tastendruck erzeugen in einem Mobiltelefon Funken. Denkbar wäre höchstens, dass das Handy auf den Boden fällt und die Batterie herausgleitet. Diesen Fall haben mehrere Forschungsinstitute untersucht. Der übereinstimmende Tenor: theoretisch möglich, praktisch nicht relevant. Funken beim Tanken haben zwar schon zu Unfällen geführt, aber die entstanden, weil ein elektrostatisch aufgeladener Fahrer an die Zapfpistole oder den Einfüllstutzen fasste.

Und was ist mit den angeblich dokumentierten Fällen, in denen Autofahrer mit ihrem Handy Tankstellen in Brand gesetzt haben? Diese Beispiele, von denen in Internet-Rundmails die Rede war (teilweise unter dem Absender der Firma Shell), sind alle nicht dokumentierbar. Die wenigen Brandfälle an Tankstellen, bei denen ein eingeschaltetes Handy an der Unfallstelle zugegen war (was heute ohnehin höchst wahrscheinlich ist), konnten auf andere Ursachen zurückgeführt werden. Wenn der Tankstellenpächter den Handybetrieb untersagt, sollte man sich dran halten – einen plausiblen Grund dafür gibt es aber nicht. Christoph Drösser

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