In einem Strandkorb mit Blick auf die Lübecker Bucht sitzen zwei alte Freunde. Es ist Sommer, es ist Urlaub, es ist Travemünde. Seit vielen Jahren kommen sie mit ihren Frauen hierher. Nun sind die Damen beim Friseur und unterhalten sich über Männer. Und die beiden Freunde haben die Beine hochgelegt, sie tragen weißes Haar, weiße Hosen und Sonnenbrillen und tun, was Männer tun, wenn sie unter sich sind. Sie unterhalten sich über Autos.

Der eine erzählt von seinem Besuch in einer gläsernen Fabrik. So ein Auto, sagt er, das sei ja in einer einzigen Stunde zusammengebaut. "Du kriegst deinen Termin – an dem und dem Tag um die und die Uhrzeit wird dein Auto montiert, fährst hin und schaust zu. Wie die Achsen angeschwebt kommen, Motorblock, Tank, Sitze, Türen, alles genau in der Farbe, wie du’s bestellt hast. Und nach einer Stunde ist dein Auto fertig und rollt dir vor die Füße."

Die Freunde schweigen eine Weile und kosten das aus: das silbrige Glitzern der Sonne auf der Ostsee, das vertraute Fährschiff nach Schweden, das eben vorübergleitet, die weißen Segler und den prachtvollen Anblick des drüben auf dem Priwall aufgebahrten Viermasters Passat, des letzten großen deutschen Windjammers, 1911 bei Blohm & Voss gebaut, mit seinen bald 5000 Quadratmetern Segelfläche.

Die Wellen rollen sanft an die Promenade, und die Autos rollen dir vor die Füße. Ist das Leben nicht schön?

Der Heinz-Ehrhardt-Imitator

Im Hotel – ein Hochhaus überm Strand, das in seiner gemütlichen Sachlichkeit ein wenig an Bonner Regierungsbauten erinnert: ein Bonn am Meer – hängen Fotos von Stammgästen. Sie füllen zwei Wände der Halle. Fotos prominenter Gäste sind darunter gemischt. Karel Gott und Johannes Rau. Cindy und Bert und Norbert Blüm.

Einmal im Jahr lädt das Hotel zu Stammgastwochen. Ehepaare aus Lübeck, Essen, Buxtehude, Hamburg natürlich. Gutbürgerlich, gut situiert, nicht arm, aber auch nicht zu reich, mittlerweile im Pensionsalter. Manche haben hier ihre Rubinhochzeit gefeiert.