Der Vater des Babys auf dem Handtuch nebenan, ein sportlicher Typ um die dreißig, zieht seine schwarze Reißverschlussjacke an, die mit den weißen Streifen am Ärmel und dem Wort "Deutschland" quer über der Brust, darüber sitzt ein kleines schwarz-rot-goldenes Wappen. Eigenartig, er ist schon der dritte junge Vater mit dieser Jacke. Steckt da etwas dahinter – der DFB oder Schlimmeres? Ach, sagt er, die habe er mal in Hannover gekauft. Er grinst.

"Ich komme aus der Provinz, dafür gibt’s keine Jacke. Es gibt nur die mit ›Hamburg‹ drauf oder mit ›Berlin‹. Da hab ich die ›Deutschland‹-Jacke genommen."

Was für ein sympathischer Patriotismus. Sie prahlt und protzt nicht, die Deutschlandjacke, sie ist ja nur aus Hannover. Aber sie wärmt und sitzt. Und eine andere haben wir nicht.

Der Camper kennt keine Krise

Das Radio hat neue Nachrichten. Die Bundesregierung verkaufe nun ihre letzten Anteile an Post und Telekom, und Nordrhein-Westfalen denke über den Verkauf seiner Landesbank nach. Das Radio steht diesmal auf einem befestigten Campingplatz bei Pelzerhaken, im Wintergarten aus transparentem Plastik, den ein Camper vor seinem Wohnmobil aufgestellt hat.

Nun wird das alles im Radio kommentiert, und wieder einmal fällt das Wort vom Tafelsilber. Den Camper schüttelt ein kurzes, lautloses Lachen. "Das Tafelsilber", brummt er, "das ist jetzt bald alle."

Sein trockener Humor passt zu einer Urlaubsweise, wie sie bodenständiger nicht denkbar ist. Es sind große, parzellierte Plätze mit Hecken als Raumteiler und rustikalem Wasseranschluss pro Stellplatz, welche die Camper Jahr für Jahr aufsuchen, um ein ins Zivile gemildertes Nomadenleben auf Zeit zu führen. Addiert man die Tarife für Mann und Frau, Kind und Wagen, Wasser und Strom, die am Tor aushängen, kommen keine 20 Euro am Tag zusammen.