In Appartements der siebziger Jahre wohnen. Aber sich auch mal was gönnen. Zu feststehenden Zeiten baden gehen, im Hotel seine Halbpension verzehren und abends auf die Promenade. Dort findet ein Spaßmacher von der Küste oder ein polnischer Eric-Clapton-Revival-Mann jederzeit ein williges Publikum. Und die Jugend tut, was sie immmer tat. Sie wartet, dass es dunkel wird und sie draußen am Strand langsam außer Sichtweite gerät, auf der langen, im Dunst verschwimmenden Seebrücke oder under the boardwalk. Wenn man will, ist Grömitz und sind auch die anderen Ostseeorte die legitimen Enkel des weiland bürgerlichen deutschen Seebades – Enkel im bunten, neudeutschen Freizeithöschen, mit Minipizza und Minigolf.

Wenn nur das Radio stillschwiege. Aber es ist noch nicht fertig, die deutschen Dinge kommen ins Schaukeln, es hört gar nicht auf. So viele Nachrichten an einem einzigen Sommertag, bei denen es einem mulmig wird. Morgen, sagt der Sprecher, endet die staatliche Gewährträger-Haftung für Sparkassen und Landesbanken.

Was ist das denn, um Himmels willen? Ein Sparkassen-Mann wird eingeblendet. Es markiere eine Wende, sagt er mit ernster Stimme. Und dass die armen Sparkassen nun hinaus ins wirkliche Leben müssten, der Staat fange sie ab morgen früh nicht mehr auf. Und dann sagt er: "Ein Zeitalter geht zu Ende."

Nun ja, denkt sich der Urlauber, bis morgen früh wird das nicht gerade passieren. Erst einmal geht nur ein Tag an der See zu Ende und dann der Urlaub, und dann sehen wir weiter. Und doch könnte es sein, dass der Mann aus dem Radio nicht ganz Unrecht hat. Wenn dieser Urlaub endet, kommt Deutschland ein bisschen anders aus ihm heraus, als es hineinging.

Es regnet in Kalifornien

In einem winzigen Ort kurz vor Kiel endet die Reise. Hier strandete um die Zeit, als alles anfing, als Kaiser Wilhelm sich in Versailles die Krone aufsetzte, ein Boot namens Californien. Der Name blieb an dem Ort hängen. Gerade rasen Opas und ihre Enkel auf bunten Dreirädern über den Sand, als ein schöner Blitz ins Meer schlägt, und Donner rollt hinterher.

Wenn etwas endet, gibt es immer diesen Augenblick ungläubigen Erstaunens, den Blick zurück auf das plötzlich unerreichbare, sich immer weiter entfernende Ufer. Ach, da sind wir doch eben noch gewesen, das war doch gerade noch unser Leben.