König George III. (1738 bis 1820) genoss, was sonst nur wenigen Monarchen vergönnt ist: ein langes Leben an der Macht in einem prosperierenden Land.

Mit 22 Jahren auf den Thron gekommen, regierte er 60 Jahre lang, besiegte die napoleonische Armee und etablierte die britische Vorherrschaft auf den sieben Weltmeeren. Doch seine Regentschaft hatte auch Schattenseiten. 1776 erklärten die amerikanischen Kolonien nach blutigem Krieg die Unabhängigkeit. Und immer wieder suchten den sonst fähigen König Anfälle von Wahnsinn heim.

Lange glaubten Historiker, der Grund für die Umnachtungen sei eine erbliche Stoffwechselkrankheit gewesen, die Porphyrie. Doch die jüngste Untersuchung einer Haarlocke des Monarchen durch Martin Warren von der University of Kent (Lancet 2005 - 366: 332-35) zeigt, dass wohl nicht allein die Gene den Wahnsinn verursachten. Porphyrie ist in der Tat ein Leiden, von dem viele Mitglieder des britischen Königshauses heimgesucht wurden. Keine spaßige Angelegenheit: Die Krankheit äußert sich durch kolikartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Krämpfe, Psychosen und Verwirrtheit. Der Urin färbt sich rot, ebenso die Zähne. Die Farbe vom Wein der Alicante habe der Urin von James IV. (1566 bis 1625), Sohn von Maria Stewart und direkter Ahn von George III., gehabt. Dies weiß dessen Hofarzt, Sir Theodore de Mayerne, zu berichten. Noch 1968 wurde bei William, Prince of Gloucester und Nachfahr von George III., Porphyrie diagnostiziert.

Doch die Anfälle von George III. waren schwerer, länger und setzten erst später in seinem Leben ein als sonst im Krankheitsverlauf üblich. Fünf Schübe erlitt der Monarch während seiner Zeit auf dem Thron. Der schwerste, vom Oktober 1788 bis zum Februar 1789, führte zur Regierungskrise.

Die Locke des Herrschers, abgeschnitten nach seinem Tod, lagert bis heute im Londoner Science Museum. Die Wissenschaftler wuschen sie zunächst sorgfältig, um sicherzugehen, dass keinerlei Konservierungsmittel oder sonstige Verunreinigungen die Untersuchungsergebnisse verfälschen würden. Mit dem Massenspektrografen suchten sie dann nach Spuren von Schwermetallen. Denn die können Porphyrie-Symptome gewaltig verschlimmern. Und siehe da: Des Königs Haar war von Schwermetallen ganz schwer. Quecksilber fand sich in einer Konzentration von 2,5 ppm (parts per million), normal wären 0,95 ppm. Die Bleiverseuchung lag bei 6,5 ppm, ordinäre Haare bringen es auf weniger als 0,2 ppm. Am schwersten wog jedoch der Anteil an Arsen. Das Schwermetall lagerte in einer Konzentration von 17 ppm in Georges Haaren, 0,7 ppm sind üblich. Mediziner sprechen bei einem Wert über 1 ppm von einem Indikator für Arsenvergiftung.

Nun ist zwar die Vergiftung mit Arsen für Monarchen kein unüblicher Tod, doch im Falle Georges III. gab es weder Grund noch Verdacht für ein herbeigeführtes Ableben. Wie also kamen die Schwermetallmengen in seinen Körper? Die Aufzeichnungen des Leibarztes, Henry Halford, nennen viele Stoffe, die zur Linderung der königlichen Leiden verabreicht wurden: Zink, Eisen, Kupfersalze und die opiumhaltige Tinktur Laudanum. Doch royale Hauptarznei war Brechweinstein, das einen hohen Anteil an Antimon enthält. In der Natur kommen Antimon und Arsen häufig zusammen vor. Sie ließen sich nicht immer voneinander trennen - Berichte aus dem 19. Jahrhundert machen den Arsenanteil in antimonhaltigen Medikamenten für viele Tode verantwortlich.

Vielleicht ahnte George III., dass der Eifer seiner Ärzte nicht gesundheitsfördernd war - er sträubte sich heftig gegen die Behandlung. Henry Halford beschreibt im Jahr 1811 eine Szene aus dem Krankenzimmer: Heute herrschte große Aufregung, den ganzen Tag lang - Seine Majestät bekam um sieben Uhr gewaltsam die Medizin verabreicht, was mit Sicherheit zur Steigerung von Verwirrtheit und Jähzorn beitrug. Die Notizen des Leibarztes berichten weiter, dass der König alle sechs Stunden zwei Körner (120 Gramm) Brechweinstein eingeflößt bekam. Das entspricht einer Antimonmenge von 45 Milligramm. Geht man davon aus, dass Antimon zu 2 bis 5 Prozent mit Arsen verseucht war, schluckte er pro Tag 3,6 bis 9 Milligramm des Schwermetalls.