Sie stehen demonstrativ auf dem Tresen. Acht Aschenbecher in einer Reihe, suppentellergroß und aus schwerem Bleikristall. Rundherum, auf jedem der am späten Samstagvormittag noch unbesetzten Tische, prangen weiße Porzellanascher. Sie scheinen nur darauf zu warten, dass jemand seine Kippe darin versenkt. Die Nichtraucherzone? Antonio Giménez nimmt die Frage gelassen. Die gibt es hier noch nicht, verneint der Ober der Cafetera Playa Golf lächelnd. Wenn Sie rauchen wollen, nur zu, ermuntert wenig später auch Pedro Marøn, Inhaber des benachbarten MG-Cafés. Bisher sind die Behörden noch nicht so streng.

Sommer 2005 auf Mallorcas berüchtigtem Strandpromenadenabschnitt Balneario 6, dem Ballermann. Seit dem 10. Juli ist das Gesetz zur Drogenprävention auf den Baleareninseln in Kraft. In öffentlichen Räumen wie am Flughafen gilt seither komplettes Rauchverbot. Die gut 13 000 balnearischen Restaurants, Bars und Cafés müssen Nichtraucherbereiche einrichten. Schon lässt die deutsche Boulevardpresse empörte Urlauber drohen, sie kämen nie wieder.

Doch auf der Insel scheint alles wie immer. Anders als in Italien, wo ein Raucher bereits in den ersten Minuten nach Inkrafttreten des Rauchverbots in einer Bar zur Kasse gebeten wurde, lassen es die Mallorquiner ruhig angehen.

Wir reden viel und halten wenig, erklärt der Ober Giménez. Der örtliche Hotel- und Gaststättenverband hat der Regierung eine vierwöchige Übergangsfrist abgerungen. Damit sich alle auf die neue Regelung einstellen können, sagt Francisco Martønez, im Verband zuständig für Bars und Cafés.

Als hätten die zwei Monate seit Verabschiedung des Gesetzes am 10. Mai nicht ausgereicht, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen: die Druckvorlagen für die Raucher- und Nichtraucherschilder von der Website des Gesundheitsministeriums zu laden, die Tische auseinander zu rücken und in einer Ecke die Aschenbecher zu entfernen. Giménez blickt verschwörerisch nach links und rechts, beugt sich zu seinem Gast und raunt: Hauptsache, wir brauchen uns weitere vier Wochen lang um nichts zu kümmern. Solange die Regierung nicht ernst macht, wird, ehrlich gesagt, gar nichts passieren.

Die angedrohten Strafen sind happig. Im Extremfall, für den aber dem Drogenbeauftragten der Regierung, Bartomeu Jaume Roig, auf Anhieb kein Beispiel einfällt, bis zu 1 Million Euro. Wir wollen damit kein Geld verdienen. Uns geht es vielmehr um die Aufklärung. Doch es ist eine herausragende Eigenschaft der Spanier, dass sie Gesetze nach ihren Bedürfnissen interpretieren. Theoretisch kostet das Wegwerfen einer Zigarettenkippe auf der Straße bereits seit Jahren 300 Euro Strafe. Praktisch ist die Straßenreinigung gut beschäftigt.

Wenn es um ihre gewohnte Zigarette zum Kaffee geht, verstehen viele Spanier gar keinen Spaß. 31 Prozent rauchen regelmäßig, Männer durchschnittlich 19, Frauen 14 Zigaretten am Tag. Die erste meist schon zum Frühstück, das traditionell außer Haus eingenommen wird. Gegessen wird da noch wenig, aber die Fluppe gehört zum Café solo genannten Espresso oder zum Cortado, wenn er mit einem Schuss Milch gestreckt ist. Die Nichtraucherin Cati Verd litt jahrelang darunter, dass sie in ihrem Café Moca Verd in der Altstadt von Palma de Mallorca kein Rauchverbot durchsetzen konnte. Das Einzige, was uns blieb, war, Rauchern kein Feuer zu geben, wenn sie darum baten. Jetzt prangt ein Schild mit der Aufschrift No fumar bereits an der Eingangstür des Moca Verd. Einfach war Catis Schritt aber nicht. In der Woche vor dem 10. Juli war ich im Gesundheitsministerium, um mich über meine Rechte zu informieren erzählt sie. Der zuständige Koordinator war gerade in einer Besprechung, und der Rest der Anwesenden hatte keine Ahnung.