In seinen frühen Filmen sah Gérard Depardieu nicht zuletzt deshalb so gut aus, weil ihm sein Aussehen völlig egal war. Deshalb konnte er vor 20 Jahren in Bertrand Bliers Tenue de soirée erstaunlich würdevoll einen Leopardenslip tragen, über den sich schon damals die Rettungsringe wölbten. Nun, da er sich in jeder Hinsicht zum Obelix der französischen Erfolgskomödie entwickelt hat, ist ihm sein Aussehen erst recht egal - was ihn nicht mehr verführerisch, aber doch immer noch sympathisch macht. Wahrscheinlich würde man über Gérard Jugnots Komödie Boudu denn auch kein weiteres Wort verlieren, zeigte sich Depardieu hier nicht in einem Zustand rülpsiger Verwahrlosung, der fast schon wieder subversiv wirkt. In der Rolle eines Obdachlosen, der das spießige Leben eines südfranzösischen Geschäftsmanns erst durcheinander und dann in Ordnung bringt, kracht, bumst und lacht er sich durch ein unvorstellbar schales Drehbuch und hängt immer wieder demonstrativ seinen mächtigen Bauch ins Bild. Auch sonst nimmt er das Pennerdasein beim Wort. Nie zuvor war er so fett und so schwabbelig, so vulgär, versoffen und verschwitzt. Das macht diese platte Provinzposse keinen Deut besser. Aber man bekommt eine Ahnung davon, was passieren könnte, wenn sich Depardieus Proletenpotenzial wieder einmal in einem wirklich bösen Film entfesseln würde.