Das so genannte Streitgespräch blieb wie immer unentschieden: Keiner der anwesenden Herren scheint bemerken zu wollen, dass er seine Meinung, Ansicht, Weltanschauung selbst zu vertreten hat. Was nutzt das schönste Gehirn, der herrlichste Sozialkontext, wenn niemand sich darin aufhalten will? Wie zum Streiten Mund und Gehör benutzen doch auch sie ihr Gehirn hoffentlich in eigener Verantwortung oder wenigstens Absicht. Warum gibt das keiner zu? Weil der Geist, der dazu beachtet werden müsste, nicht definibel sei und darum nicht empirisch? Saubere Wissenschaft!

Gefangen in seiner materialistischen Weltanschauung, widerspricht sich der Mentalmechaniker, sobald er nur ich sagt. Sein Zerebralargument ist ein Bumerang, nicht weniger übrigens als der psychologische Reizreaktionsschematismus. Geht die Entelechie des Menschen nicht allen Frage-Antwort-Spielen voraus? Das frage ich selbstverständlich persönlich.

HELMUT KOHLHEPP, KASSEL

In der interdisziplinären Hirndebatte, die schon mehrfach mit Wolf Singer in der ZEIT geführt wurde, vermisst man einen vielleicht hilfreichen Hinweis: nämlich den auf das Cognitive-Science-Studium in Osnabrück. Der englischsprachige BA/MA-Studiengang existiert dort seit 1998 und versucht genau das zu etablieren, was im vorliegenden Gespräch von Singer und Prinz als fehlend beklagt wird: eine Vernetzung der Erkenntnisse von Neurobiologie, Psychologie und Philosophie und auch der Informatik und Linguistik, die zu den Kernfragen von Denken, Willensfreiheit und Hirntätigkeit den Versuch einer Gesamtschau unternimmt.

ANNEGRET HEIDELBERG, GOSLAR