Köln

Gerüchte gab es seit langem. Es ging um undurchsichtige Immobiliengeschäfte und sehr viel Geld der Steuerzahler. Wenn das alles einmal herauskäme, so raunte es in Köln, dann werde es das Establishment der Stadt wegfegen. Doch die Gerüchte sind alt, fast nichts kam heraus.

Bis zum 4. Juli dieses Jahres. An diesem Tag trat die Affäre in ein neues Stadium. Sie hat nun einen Namen: die Oppenheim-Esch-Affäre. Und es gibt eine Anklage. Der WDR hat sie in einer TV-Dokumentation vorgetragen. Er untersuchte die Vergabepraxis öffentlicher und semiöffentlicher Bauaufträge in Köln. Sein Vorwurf: Ein privater Investor, die Oppenheim-Esch-Holding, bereichere sich auf Kosten der Stadt Köln. Und die Stadt selbst habe durch Ungeschick und Leichtfertigkeit beträchtliche Kosten verursacht, die letztlich die Steuerzahler zu begleichen hätten.

Seither ist Köln die Bühne eines seltsamen Schauspiels. In ihrem Bestreben, glaubhaft zu machen, dass nichts, aber auch gar nichts wahr sei an diesen Vorwürfen, winden sich die Repräsentanten der Stadt in einer Weise, die es immer schwerer macht, ihre Sicht der Dinge zu teilen.

Da sind die neuen Messehallen der Stadt. Im Mai war Richtfest. Peer Steinbrück, damals noch Ministerpräsident, kam vorbei und rühmte in einer seiner letzten Amtshandlungen dies Projekt, das optimistische, mutige und äußerst tatkräftige Menschen auf den Weg gebracht haben. Bauherr der Messehallen ist ein geschlossener Immobilienfonds der Oppenheim-Esch-Holding.

Leider geriet der Bau auf rätselhafte Weise recht teuer. 260 Millionen Euro kosten die Hallen, die Köln nun für mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr mietet - selbst zu bauen, meinen die Kritiker vom WDR, wäre erheblich billiger gewesen.

Alles unwahr, entgegnet die Stadt. Kredite in der erforderlichen Höhe hätte das bis über beide Domtürme verschuldete Köln nie bekommen.