Herbert Hainer ist erst seit kurzem Vorstandsvorsitzender von Adidas, doch schon hat er das fränkische Unternehmen kräftig umgebaut. Anfang Mai verkaufte der Konzern seine Outdoor-Sparte Salomon. Nun kündigte Adidas an, man werde den amerikanischen Konkurrenten Reebok für 3,1 Milliarden Euro übernehmen.

Die Übernahme ist ein offener Angriff auf den großen Konkurrenten Nike, der die Liste der weltgrößten Sportartikelhersteller anführt. Und er ist ein weiterer Schritt hin auf das Ziel, das Hainer regelmäßig beschwört: "Natürlich muss es das Ziel sein, Weltmarktführer im Bereich Sport zu werden", sagte Hainer der ZEIT im März.

Mit der bisher größten Akquisition der Firmengeschichte will Adidas offenbar Bewegung in sein Nordamerika-Geschäft bringen. Dort setzt Nike fünf Milliarden Dollar im Jahr um, Adidas lediglich eineinhalb Milliarden. Doch dieser Markt macht fünfzig Prozent des Sportartikelmarkts der Welt aus. Zusammen mit Reebok wird sich der Umsatz der Adidas-Gruppe in Nordamerika nun auf 3,1 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Gleichzeitig könnte Adidas in den beliebtesten amerikanischen Sportarten wie Basketball oder American Football mehr Präsenz zeigen. Das ist auch deshalb wichtig, weil die amerikanische Hiphop-Kultur die Marke in den vergangenen Jahren nach einer längeren Schwächephase wieder populär machte. Soll dieser Trend anhalten, muss Adidas dauerhaft ein breites Publikum erreichen.

Durch die Übernahme entsteht ein Sportartikelkonzern mit - auf Basis der Zahlen von 2004 - einem Umsatz von knapp 9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Nike erzielte im Geschäftsjahr 2004/05 Erlöse von umgerechnet 11,2 Milliarden Euro. "Das ist eine Gelegenheit, die man nur einmal im Leben hat", sagt Hainer also und glaubt nicht, dass die Übernahme ein großes Risiko sei.

Gleichwohl steht der Konzern in den kommenden Monaten vor enormen Herausforderungen: Die Trennung von Salomon ist noch nicht abgewickelt und die 9000 Reebok-Mitarbeiter müssen in den Konzern integriert werden. Das kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft, die Adidas zur bisher größten Marketingoffensive der Firmengeschichte nutzen will. Analysten bewerteten die Übernahme dennoch positiv und die Aktionäre könnten auf einen  Gewinnwachstum in zweistelliger Höhe hoffen, heißt es aus Vorstandskreisen.