Die Münchener Polizei hat einen Manager von BMW wegen Schmiergeldverdachts festgenommen. Auch ein Verantwortlicher eines Zulieferbetriebes in Neuensalz (Vogtlandkreis) wurde festgenommen. Es bestehe der dringende Tatverdacht, dass der BMW-Abteilungsleiter insgesamt etwa 100.000 Dollar Schmiergeld angenommen habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Mittwoch in München. Im Gegenzug soll er Aufträge bevorzugt an den sächsischen Zulieferbetrieb vergeben haben.

Beide Männer sollten noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung im geschäftlichen Verkehr ermittelt.

Der Geschäftsführer der Neuensalzer M&H GmbH & Co. KG, Reinhard Ploss, bestätigte die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter des Unternehmens. "Wir prüfen das und arbeiten Hand in Hand mit der Staatsanwaltschaft", sagte Ploss. "Wir versuchen, die Sache so schnell wie möglich aufzuklären, damit das aus der Welt ist."

Nach Informationen der Sächsischen Zeitung handelt es sich bei dem Zulieferer um eine Speditions- und Komponentenfertigungs-Firma, die für BMW, aber auch für VW, Rolls-Royce und DaimlerChrysler arbeitet. Das Unternehmen habe sich auf Produkte aus Leder, Textil und Kunstleder sowie auf die Montage von Baugruppen spezialisiert. Der konkrete Vorwurf gegen den zur Leitung des Zulieferers gehörenden Manager beruhe auf einem Geschäft mit der BMW-Konzernmarke Mini.

Der Oberstaatsanwalt betonte, BMW beteilige sich konstruktiv an der Aufklärung. "Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Einzelfall und nicht um eine Affäre größeren Ausmaßes handelt." Im Zusammenhang mit den Ermittlungen hatte die Polizei am Dienstag auch Wohnungen und Arbeitsräume der beiden Beschuldigten durchsucht und eine Vielzahl von Unterlagen beschlagnahmt. Die Auswertung werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Schmidt-Sommerfeld.

Auch BMW betonte, dass es sich um einen Einzelfall handele. "Es kommt leider in den besten Familien vor, dass sich Individuen falsch verhalten", sagte eine Konzernsprecherin. Der Autobauer sei an einer raschen und umfassenden Aufklärung interessiert. Es gebe im Einkauf ein Vier-Augen-Prinzip und weitere Kontrollmechanismen, auch damit ließen sich aber Einzelfälle nicht immer verhindern. Bei so einem Vorgang werde ein Mitarbeiter in der Regel zunächst freigestellt; wenn sich der Verdacht erhärte, trenne man sich von ihm.