Wenn in Nordirland von einem "historischen Durchbruch" die Rede ist, sollte man skeptisch bleiben. Sinn Fein und die IRA haben in den vergangenen zehn Jahren des so genannten Friedensprozesses zu oft schon mit wohltönenden Erklärungen aufgewartet, denen angesichts ausbleibender Taten zwangsläufig Ernüchterung folgte.

Doch nun muss selbst ein zutiefst skeptischer Beobachter eingestehen, dass die republikanische Bewegung mit ihrer Erklärung einen Schritt tat, den sie bislang sorgfältig vermieden hatte. " The armed campaign is over ", die bewaffnete Kampagne ist beendet, heißt es. Die IRA fordert ihre "Einheiten" auf, die Waffen niederzulegen ( dump ) und ihre Ziele ausschließlich auf friedliche, demokratische  Weise zu verfolgen. Die Volunteers , die Mitglieder der IRA werden aufgefordert, "alle anderen Aktivitäten" einzustellen.

So weit, so gut. Die Erklärung besitzt in der Tat eine neue Qualität. Das Ziel der irischen Einheit bleibt, nur soll es fortan ausschließlich mit politischen Mitteln angestrebt werden. Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 hatten Sinn Fein und IRA trickreich versucht, sich demokratisch zu geben, während sie zugleich die Existenz der Untergrundarmee als Druckmittel verwendeten, um immer neue Zugeständnisse zu erreichen.

Nicht übersehen lässt sich zudem, dass die Wende nicht allein innerer Einsicht entsprang. Sinn Fein und IRA blieb letztlich keine andere Wahl. Nach dem spektakulären 40-Millionen-Bankraub in Nordirland im Dezember vergangenen Jahres und dem brutalen Mord an einem Katholiken in Belfast, die beide auf das Konto der IRA gingen, waren London und Dublin nicht länger bereit, Gangstertum und Gewaltherrschaft der Republikaner in den katholischen Arbeitervierteln Nordirlands hinzunehmen.

In Amerika war seit dem 11. September 2001 jegliche Form des Terrorismus verpönt. Das Weiße Haus blieb Gerry Adams versperrt. Selbst  den naivsten Irland-Schwärmern, die die IRA zu romantischen Freiheitskämpfern verklärten, konnte nicht länger entgehen, dass die republikanische Bewegung sich in eine Art irischer Cosa Nostra verwandelte.

Ein dramatischer Schritt war also fällig, wollte Gerry Adams internationale Ächtung vermeiden und seine politische Langzeitstrategie weiter verfolgen. Sinn Fein, schon die stärkste katholische Partei in Nordirland, möchte dort  mitregieren; ohne eine endgültige Absage an Gewalt würden sich die protestantischen Parteien jedoch niemals auf eine Gewaltenteilung einlassen.

Im Süden rechnet sich Sinn Fein gute Chancen aus,  als Koalitionspartner in die Dubliner Regierung einzuziehen. Doch das lässt sich nur realisieren,  wenn sie den paramilitärischen Ballast abwirft, die riesigen Waffenarsenale der IRA beseitigt und Bankraub, Schutzgelder, Drogenhandel und Schmuggel einstellt. Woraus ersichtlich wird, dass der Teufel wieder einmal im Detail steckt.