Beim Aufräumen einer alten Garage machte ein Hausbesitzer im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd am Sonntag eine grausige Entdeckung. In Eimern und Töpfen, unter Blumenerde und Sand vergraben fand er Kinderknochen. Die Polizei stellte später die sterblichen Überreste von neun Neugeborenen sicher.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mutter der Kinder in den 16 Jahren zwischen 1988 und 2004 die Säuglinge umgebracht und auf dem Grundstück versteckt hat. "Wir stehen vor einem Verbrechen, das es in diesem Ausmaß in der Geschichte der Bundesrepublik nach meiner Erinnerung noch nie gegeben hat", sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, CDU. "Wir müssen uns fragen, wie dieses unglaubliche Verbrechen über die ganzen Jahre hinweg im Verborgenen blieb." Zu viele hätten weggeschaut.

Die Mutter der Kinder wurde verhaftet. Möglicherweise, schätzen Experten, sei die 39-Jährige vereinsamt und durch soziale Ausgrenzung verroht. Fälle, in denen Frauen ihre Neugeborenen umbringen, gebe es seit Jahrhunderten, sagte der Vizepräsident des Berufsverband deutscher Psychologen, Uwe Wetter. Die Entscheidung falle meist im emotionalen Ausnahmezustand direkt nach der Geburt. So kann sich auch die mutmaßliche Täterin laut Polizei nicht an alle Entbindungen erinnern. An einen Fall erinnere sie sich, an einen anderen Fall nicht, sagte Polizeisprecher Peter Salender.

Die Frau hat noch vier weitere Kinder und wohnte vor ihr Verhaftung mit ihrer jüngsten Tochter und ihrem Lebensgefährten seit einiger Zeit in Frankfurt/ Oder. Nachbarn beschrieben die Beschuldigte als zierliche Frau mit Pferdeschwanz, die immer freundlich gegrüßt habe.

Womöglich erwartet sie bereits wieder ein Kind. "Das untersuchen wir", sagte Salender.