Es weckte Misstrauen, als die Commerzbank vergangene Woche überraschend verlauten ließ, Personalvorstand Andreas de Maizière lege sein Amt "aus persönlichen Gründen" nieder. War er der nächste Manager, der sich etwas hatte zuschulden kommen lassen? Jedenfalls wächst und wächst das Misstrauen, und es verwandelt sich mit jedem neuen Tag, mit jedem neuen Fall wie dieser Tage etwa bei BMW  in eine generelle Haltung gegenüber Managern.

De Maizière, der frühere Rewe-Chef Dieter Berninghaus, der frühere Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster - sie alle traten in den vergangenen Monaten aus "persönlichen Gründen", "gesundheitlichen Gründen" oder auch grundlos ab. In Wahrheit waren sie in Wirtschaftsskandale verwickelt. Wer dann noch an Andreas von Zitzewitz denkt, der als Infineon-Vorstand wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit zurücktrat, verliert allen guten Glauben. Deutschlands Topmanager verspielen derzeit viel Kredit. Das schließt die weiter amtierenden mit ein. Die aktuellen Fälle illustrieren bei allen Unterschieden, woran es mangelt.

Kontrolle: Dass die Spitze von VW der lockeren Praxis bei den Betriebsratsspesen keinen Einhalt gebot oder davon nichts gewusst haben will, ist schon problematisch. Dass Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nun jede Verantwortung von sich weist und fast stolz berichtet, er habe dem Vorstand bislang "viel Leine" gegeben, ist in sich ein Skandal und bester Beleg dafür, dass ehemalige Vorstandschefs nicht an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln sollten. Nur wer sich wie Piëch 2002 direkt zum Aufseher des Nachfolgers aufschwingt, muss den Verdacht entkräften, diesem keinen Freiraum zu lassen. Der Aufsichtsrat aber soll den Vorstand kontrollieren und beraten. Piëchs neuer Aktivismus ist so demonstrativ wie entlarvend.

Transparenz: Infineons Chefkontrolleur Max Dietrich Kley sieht sich dieser Tage vielen Fragen ausgesetzt. Gerade als Mitglied der für gute Unternehmensführung zuständigen Regierungskommission sollte er sich zur Rechenschaft verpflichtet fühlen: Hat er sein Gremium 2004 ausreichend über den Verdacht gegen Zitzewitz informiert? Ist er damals den intern schon bekannten Vorwürfen entschieden genug nachgegangen? Warum eröffnet er, der sonst auf Formen erkennbar Wert legt, eine Schlammschlacht mit Exvorstandschef Ulrich Schumacher?  Infineons Aufsichtsrat zumindest gab Kley auf einer Sitzung an diesem Donnerstag Rückendeckung: Der Fall Zitzewitz sei "ordnungsgemäß behandelt" worden. Die Öffentlichkeit indes rätselt weiter.

Verantwortung: Sollte eine intern verbreitete Ehrenerklärung der Commerzbank zutreffen und Andreas de Maizière persönlich der Geldwäsche nicht schuldig sein, dann trug er trotzdem die politische Verantwortung. Die hat er übernommen, was am Ende ein erfreuliches Beispiel ist. Zu oft mangelt es Managern an Haltung und der Fähigkeit zur Selbstkritik. Vorstände sind aber nun einmal Vorbilder.

Deshalb sollten Deutschlands Topmanager die Debatte über Korruption, über Kontrolle und Transparenz endlich als Chance begreifen und nicht wie bisher als Bedrohung fürchten.