Nur neun Tage nach der zweiten Anschlagserie in London sind nach Medienberichten alle vier flüchtigen Rucksackbomber gefasst. Antiterroreinheiten von Scotland Yard nahmen am Freitag nach Berichten der Fernsehsenders Sky News und BBC zwei der mutmaßlichen Täter in London fest. In Rom ging heute nach Angaben des italienischen Innenministers Giuseppe Pisanu der letzte noch flüchtige mutmaßliche Rucksackbomber ins Netz der Polizei. Es handele sich um den Somalier Osman Hussein. Der Verdächtigte habe versucht, bei einem Bruder am Stadtrand von Rom unterzukommen, hieß es. Dort hätten ihn italienische Spezialfahnder gestellt. Nähere Einzelheiten der Aktion, die am Abend noch weiterging, wurden zunächst nicht bekannt.

Bei der Fahndung nahm heute die Polizei bei mehreren gleichzeitigen "sehr wichtigen" Operationen im Westen von London insgesamt drei Verdächtige fest. Bei einem von ihnen soll es sich um den zur Fahndung ausgeschriebenen Muktar Said Ibrahim handeln. Der dritte Festgenommene sei ein Verwandter eines der mutmaßlichen Attentäter, hieß es. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht, sprach jedoch von "höchst bedeutenden" Festnahmen.

Mit Maschinenpistolen, Gasmasken und kugelsicheren Westen ausgerüstete Polizisten hatten unter anderem einen Wohnblock im Stadtteil Notting Hill abgeriegelt und eine Wohnung umstellt. Es waren mehrere Explosionen und Schüsse zu hören. Außerdem nahm die Polizei am Londoner Bahnhof Liverpool Street Station zwei Frauen unter Terrorverdacht fest. Der Bahnhof wurde vorübergehend evakuiert. Die Frauen hatten nach den Angaben ein verdächtiges Paket bei sich.

Unterdessen wies Scotland Yard Berichte über die Festnahme des mutmaßlichen "Hintermannes" der Selbstmordanschläge vom 7. Juli zurück. "Das ist alles Spekulation und nichts, was wir im Augenblick diskutieren wollen", sagte eine Sprecherin der Londoner Polizei. Ein mutmaßlicher Mitverschwörer der Attentäter von London hätte nach amerikanischen Medienberichten bereits vor den Anschlägen vom 7. Juli festgenommen werden können. Der Terrorverdächtige sei von der US-Polizei in Südafrika aufgespürt worden, eine Festnahme sei aber an den britischen Behörden gescheitert. Der Mann, ein gebürtiger Brite, befinde sich nun in Sambia in Gewahrsam, berichtete der US-Sender CNN am Donnerstag unter Berufung auf amerikanische und sambische Ermittlungsbeamte.

Den Berichten zufolge handelt es sich bei dem Terrorverdächtigen um den 30-jährigen Haroon Rashid Aswat, einen gebürtigen Briten indischer Herkunft. Er habe sich Wochen vor den Anschlägen in London in Südafrika aufgehalten und dort wegen des Verdachts der Beteiligung an Plänen für den Aufbau eines Terroristen-Ausbildungslagers im US- Staat Oregon unter amerikanischer Überwachung gestanden. Ein Ersuchen der USA an Südafrika, Aswat festnehmen zu dürfen, sei an Großbritannien weitergeleitet worden. Die dortigen Behörden hätten aber den Antrag mit Blick auf die britische Herkunft des Mannes abgelehnt.

Mittlerweile gebe es Hinweise auf eine mögliche Verbindung des Mannes zu den Terroranschlägen auf U-Bahnzüge und einen Bus, bei denen 52 Menschen ums Leben gekommen waren. Britische Medien hatten Aswat vergangene Woche als "britischen El-Kaida-Führer" bezeichnet. Die Londonder Times berichtete, Aswat sei zwei Wochen vor den Anschlägen vom 7. Juli in Großbritannien eingetroffen, um die Vorbereitungen zu leiten. Wenige Stunden vor der Tat soll er das Land wieder verlassen haben. Er sei westlichen Geheimdiensten seit mehr als drei Jahren bekannt, hieß es.