Also, was ist nur mit Schröder los? Ganz einfach: Er hat wieder nicht auf den besten Mann im Kanzleramt gehört – den besonnenen Amtschef Frank-Walter Steinmeier. Hat stattdessen mit Müntefering geträumt, nochmals die Republik zu erobern (demokratiepolitisch gesprochen also das Vertrauen der Wähler zu gewinnen), nachdem man ein Misstrauensvotum im eigenen Parlament erzwingt. Schröder hat diese Widersprüchlichkeit des eigenen Handelns vermutlich inzwischen begriffen, Müntefering auch. Steinmeier ganz bestimmt. Aber es ist zu spät. Jetzt müssen sie durch, außer: Das Bundesverfassungsgericht spricht sich gegen die Neuwahlen aus. Doch das kann dauern, vielleicht (sehr vielleicht!) sogar bis nach der Wahl. Dann müsste diese annulliert werden.

Müntefering wollte all dies, weil er dachte, nach dem Wahlverlust in Nordrhein- Westfalen sofort reagieren zu müssen. Aus diesem bevölkerungsreichsten Bundesland stammend, denkt er, das ganze Land gehe sofort unter, wenn die SPD einmal in Düsseldorf verliert. Nun laufen Müntefering die eigenen Leute davon. So schlecht wie auf dem diesjährigen Sommerfest der SPD-Fraktion war die Stimmung schon lange nicht mehr. Und: Eine neue Linke hat sich als Partei gefunden – auch das war zu erwarten.