So schnell kann´s gehen: Ende Juni kam ein Paar in die Praxis des Hamburger Urologen Hartmut Porst, weil der Ehemann unter Erektionsstörungen litt. Keine drei Wochen später war der Patient tot.

Nein, natürlich stirbt man nicht an Impotenz - außer vielleicht aus Langeweile -, doch der Fall, den Porst am Donnerstag auf der Präsentation einer neuen Kampagne des Viagra-Herstellers Pfizer vortrug, ist in vielerlei Hinsicht typisch für den durchschnittlichen deutschen Mann, bei dem´s im Bett nicht so funktioniert, wie er das gern hätte:

- Er ist einer unter vielen. Schätzungen zufolge leiden fünf Millionen der deutschen Männer an Erektionsproblemen. Laut Porst sogar noch mehr.

- Er traut sich aber nicht, deshalb zum Arzt zu gehen. Von den fünf Millionen suchen nur rund zwei Millionen ärztliche Hilfe. Der Patient aus Porsts Klinik hatte bereits neun Monate lang Standschwierigkeiten, bis er sich endlich - und dank des Drängens seiner Frau - an den Spezialisten wandte.

- Seinen Problemen liegt eine ernsthafte Erkrankung zugrunde. Im Falle von Porsts Patient waren es schwere Gefäßverkalkungen, die zum tödlichen Herzinfarkt führten, noch bevor der Mann zum dringend empfohlenen Kardio-Check gehen konnte.

Hier versucht die neue Aufklärungskampagne des Viagra-Herstellers Pfizer anzusetzen. Motto: Du bist nicht allein, es gibt jemanden, der dir helfen kann, du musst es ihm nur sagen. Zu diesem Zweck ließ der Pharma-Riese eine Studie durchführen, mit der die deutschen Männer in fünf "Sex-Typen" unterteilt wurden: den Draufgänger (27 %), den Sinnlichen (17 %), den Ängstlichen (20 %), den Souveränen (20 %) und den Enthaltsamen (17 %). Allen gemein ist, dass sie Sex vor allem deshalb genießen, weil sie dabei mit ihrer Partnerin "besonders verbunden" sind, und dass ihnen am wichtigsten ist, sie zu befriedigen. Und wenn es einmal nicht klappt, dann ist das ein "Phänomen", dessenwegen man sich jedenfalls nicht "krank fühlen" muss.

Im Klartext: 60 bis 80 Prozent aller nicht vorübergehenden Erektionsstörungen lassen auf eine schwerwiegendere Diagnose wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterinwerte oder Gefäßerkrankungen schließen - aber das darf man den Männern nicht sagen! Laut der von Sinus Sociovision durchgeführten Studie setzen 59 Prozent der Befragten Erektionsprobleme mit einer persönlichen Niederlage gleich, sie sehen sie nicht als Krankheit an. Manchmal dauert es zwei, gar drei Jahre, bis der Leidensdruck dann doch groß genug ist, um mit einem Arzt über dieses Thema zu sprechen. Oft genug sind es aber die Frauen, die die Dinge in die Hand nehmen: "In meiner Ordination werden 50 Prozent  aller Männer von ihren Partnerinnen angemeldet", sagt Hartmut Porst.