Steht Mercedes bald ohne Chef da? Nachdem der DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp am Donnerstag bekannt gemacht hatte, dass er sich zum Jahresende von seinem Posten zurückziehen wird, berichtete das Managermagazin am Donnerstagabend, auch Eckhard Cordes , Chef der Mercedes Group, habe seinen Rücktritt angeboten. Cordes galt lange als Favorit für die Nachfolge Schrempps. Am Donnerstag hatte der Aufsichtsrat jedoch entschieden, dass Chrysler-Chef Dieter Zetsche das Unternehmen von 2006 an führen soll.

Vorstand und Aufsichtsräte von DaimlerChrysler suchen nun nach einer Lösung der unerwarteten Führungskrise. Eine Sondersitzung des Aufsichtsgremiums soll es aber wohl nicht geben. Beobachter der Branche sehen den Automobilbauer in einer heiklen Krise. Angeblich hatte Cordes der seit Wochen vorbereiteten Berufung von Zetsche als Schrempp-Nachfolger zunächst zugestimmt. Am Donnerstagvormittag habe er dann plötzlich einen massiven Vertrauensverlust beklagt, berichtet die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf Quellen aus dem Konzern.  Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dass man sich am Donnerstag bei der Aufsichtsratssitzung offiziell nicht mit der Cordes-Frage befasst habe. Aus dem Umfeld des Mercedes-Chefs verlautete bislang nicht, ob sich Cordes schon entschieden habe, endgültig auf sein Amt zu verzichten.

Jürgen Schrempp verlässt DaimlerChrysler nach zehn Jahren als Vorstandsvorsitzender.  Bei der Chrysler-Group wird mit Thomas LaSorda wieder ein Amerikaner an die Spitze rücken und Zetsche ersetzen. Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper sagte, dass Schrempp und das Krontrollgremium des größten deutschen Unternehmens sich einig seien, dass der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Konzerns gekommen sei. "Die Bilanz des Konzerns ist gesund und die Cashflow-Entwicklung stabil", sagte Kopper.

  Die Börse reagierte auf die Nachricht von Schrempps Rücktritt mit einem Kurssprung von bis zu zehn Prozent. Dieser Wertanstieg ist aber auch den guten Halbjahreszahlen der AG geschuldet. Der operative Gewinn ging zwar wegen der teuren Sanierung bei Smart um zwanzig Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, lag aber dennoch über den Erwartungen der Analysten. Die Mercedes Car Group, zu der Smart gehört, erreichte mit einem Operating Profit von 12 Millionen Euro wieder schwarze Zahlen. Im ersten Quartal hatte diese Sparte noch knapp einer Milliarde Euro verloren.

Der Konzernüberschuss erreichte von April bis Juni 737 Millionen Euro, rund 150 Millionen mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres; der Umsatz wuchs von 37,07 auf 38,42 Milliarden Euro. Auch bei Chrysler stieg der Gewinn überraschend von 521 auf 544 Millionen Euro. Analysten hatten nur 400 Millionen Euro Gewinn erwartet.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Aufsichtsrat den Vertrag Schrempps bis 2008 verlängert. Dafür hatte das Kontrollgremium einige Kritik einstecken müssen. Denn Schrempps Bilanz als Vorstandsvorsitzender ist, obwohl vorher höchst erfolgreich beim Aufbau des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, bei DaimlerChrysler eher durchwachsen. 1998 verhandelte er die spektakuläre Fusion mit dem amerikanischen Autokonzern Chrysler. Damals als Coup gefeiert, entpuppte sich Chrysler zwei Jahre später jedoch als Krisenfall. Obwohl die Manager aus Stuttgart, die schnell die Leitung des amerikanischen Konzernteils übernahmen, das Image der Marke lifteten, gelang es ihnen letztlich nicht, sich von dem margenverzehrenden Rabattwettlauf mit den beiden Rivalen General Motors und Ford zu lösen.

Kurz darauf scheiterte die Asienstrategie Schrempps. Um dem Konzern die Tür in die seiner Meinung nach "wachstumsstärkste Automobilregion der Welt" zu öffnen, kaufte DaimlerChrysler die Mehrheitsanteile von Mitsubishi Motors Corporation. Von Anfang an war bekannt, dass Mitsubishi ein Sanierungsfall war. Doch die wahren Dimensionen zeigten sich erst vier Jahre später. In einer turbulenten Sitzung entschied der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler im April vergangenen Jahres, alle Geldflüsse an Mitsubishi zu stoppen. Schrempp blieb dennoch Vorstandsvorsitzender.