Nach dem Diplom hatte er an der Technischen Hochschule in Darmstadt eine Doktorandenstelle. Als er merkte, dass es mit der Karriere als Wissenschaftler schwierig würde, begann er sich neu zu orientieren, da war er schon Anfang 30.

Während des Studiums hat er viel programmiert, also bildet er sich weiter, zieht um, findet seinen ersten Job, bei einer Softwarefirma in München. Dann geht er zu IBM nach Schweinfurt.

Kinkelin arbeitet nicht selten 45 Stunden in der Woche und mehr, oft auch von zu Hause aus, er ist flexibel, und technisch ist das kein Problem, er könnte den Job auch im Gebirge erledigen. Er braucht ja nicht mehr als sein Hirn und seinen Laptop. Das weltweite Datennetz verbindet ihn mit den Kunden, um deren Computerprogramme er sich kümmert.

Martin Kinkelin gleicht einem modernen Konzern: Egal, ob Deutschland, Ungarn oder Tschechien, theoretisch kann er überall sein Geld verdienen.

Nur privat braucht er einen Standort. Die Unternehmen ziehen von Land zu Land wie nie zuvor, sie suchen den größtmöglichen Gewinn, aber ihre Mitarbeiter sind die alten geblieben. Sie suchen nach Sicherheit, nach Heimat. Martin Kinkelin ist verheiratet, er hat drei kleine Kinder. Vor fünf Jahren hat er mit seiner Frau ein Grundstück gekauft, auf dem Land. Sie haben einen Kredit aufgenommen, ein hübsches Haus gebaut, die Außenwände mit Holz verkleidet, vor der Tür einen kleinen Teich angelegt. "Das ist wie im Paradies", sagt Martin Kinkelin.

Am 30. September wird er arbeitslos. Der Konzern zahlt ihm eine Abfindung, ungefähr ein Jahresgehalt, das hilft natürlich, aber sehr weit kommt die Familie damit nicht. Kinkelin hat erst mit Mitte 30 angefangen, richtig Geld zu verdienen, und bisher alles in das Haus gesteckt.

In Schweinfurt war die IBM BS der einzige größere Arbeitgeber für IT-Experten. Kinkelin bewirbt sich jetzt in München, in Nürnberg, in Stuttgart, bisher vergeblich. Mit 44 zählt er in seiner Branche schon zu den Alten.