Brilliante Ideen sind in der Familienpolitik ungefähr so selten wie Geburten in der Bundesrepublik. Hin und wieder gibt es sie aber doch. Im Bundesfamilienministerium zum Beispiel wurde Anfang 2004 die Idee der „Lokalen Bündnisse für Familie“ geboren: Unternehmer, Stadträte, Verbandsvertreter und natürlich Eltern in ganz Deutschland sollten sich zusammen setzen und gemeinsam überlegen, wie sich der Arbeitsalltag vor Ort familienfreundlicher gestalten lässt. Den Bündnispartnern sollte ein Servicebüro, das in Berlin eingerichtet wurde, mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Gestern nun zog Familienministerin und Wahlkämpferin Renate Schmidt (SPD) gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD), in Berlin Zwischenbilanz: 188 Bündnisse für Familien sind bundesweit entstanden, über 1000 Unternehmen beteiligen sich daran. Von Hanau bis Eisenhüttenstadt haben sich Millionen Erziehungsberechtigte flexiblere Arbeitszeiten, betriebseigene Kindergärten oder Familienpässe fürs Hallenbad friedlich und ohne gesetzliche Regelung herbeikommuniziert. Bis 2010 soll es gar 1000 solcher Bündnisse geben.

Auf den Erfolg der Initiative kann die Ministerin zu Recht stolz sein. Familienfreundlichkeit als Ziel zivilgesellschaftlichen Handelns ist ein völlig neuer Ansatz in einem Land, das jahrzehntelang die staatliche Zahlung von Kindergeld mit Familienpolitik verwechselte. Außerdem hat Schmidt richtig erkannt, dass sich Unternehmer durchaus für flexible Arbeitszeiten und betriebseigene Kindergärten begeistern lassen. Sie müssen nur davon überzeugt sein, dass sie selbst auch davon profitieren.

Im Vergleich zur herrlich unkonventionellen Initiative der lokalen Familien-Bündnisse wirkt das geplante Elterngeld, das Schmidt erstmals detailliert vorstellte, ein bisschen wie eine Kopfgeburt. Sein geistiger Vater, der Wirtschaftsweise Bert Rürup, hat folgende Beobachtung angestellt: Je besser Frauen verdienen, desto seltener kriegen sie Kinder. Seine Schlussfolgerung: Fast die Hälfte der Akademikerinnen bleibt nur deswegen kinderlos, weil die Aufzucht des Nachwuchses mit dem Wunsch nach hohem Einkommen und Rentenanspruch kollidiert.

Deswegen soll die Mutter, die ihre Berufstätigkeit für die Kinderbetreuung unterbricht, von 2007 an ein Jahr lang Elterngeld in Höhe von 67 Prozent ihres früheren Einkommens erhalten. Nebenbei bemerkt: Es darf und soll auch der Vater sein. Maximal beträgt diese Lohnersatzleistung 1800 Euro monatlich. Das bisherige Erziehungsgeld entfällt. Finanziert werden sollen die 1,2 Milliarden Euro, die das Elterngeld mehr kostet als das Erziehungsgeld, wieder einmal durch den viel beschworenen Subventionsabbau.

Natürlich ist keine Wählerin im gebärfähigen Alter so verrückt, gegen die Ankündigung eines solchen staatlichen Geldsegens Einwände zu erheben. Zumal die Vorstellung, dass erstmals überhaupt die Erziehungsleistung der Eltern und vor allem der Mütter angemessen entlohnt würde, bestechend ist. Doch der Gedanke, dass eine junge Frau zunächst wie Walter Riester über der Rentenformel brütet, bevor sie beschließt, lieber doch kein Kind zu bekommen, wirkt ein wenig lebensfremd. Zumal bei der heutigen Lage der Rentenkassen.