Nach dem Eklat vom Montagabend haben irakische Politiker am Dienstag ihre Verhandlungen über einen Verfassungsentwurf in Bagdad fortgesetzt. Abgeordnete erklärten, nun müssten sich alle Beteiligten um Kompromisse bemühen. "Wir brauchen Zugeständnisse", sagte Adnan al-Dschanabi, Sunnit und Mitglied des Bündnisses von Ex-Ministerpräsident Ijad Allawi. Nachdem keine Einigung auf einen Entwurf gelungen war, hatte das Parlament in der Nacht zum Dienstag beschlossen, dem Verfassungskomitee noch bis zum 22. August Zeit zu geben. Umstritten ist immer noch, wie die Macht und die Öleinnahmen zwischen den Regionen und der Zentralregierung künftig verteilt werden sollen. Gestritten wurde bis zuletzt darüber, wie künftig die Erdöleinnahmen unter den Provinzen aufgeteilt werden, wie viel Autonomie die einzelnen Regionen erhalten und welchen Einfluss die islamischen Religionsgelehrten ausüben sollen. Ein Mitglied der kurdischen Parlamentsfraktion gab den Sunniten die Hauptschuld am Scheitern der Gespräche. Die sunnitischen Araber hätten die von den Schiiten und den Kurden vorgeschlagene Formel für einen föderalen Staat abgelehnt. Was die Frauenrechte angeht, so sind sich die Araber beider Konfessionen nach Angaben von Mahmud Othman einig, während die Kurden mehr Rechte für die Frauen fordern. Er fügte hinzu: "Die Kurden haben einer zentralen Verteilung der Einnahmen des Staates im Prinzip zugestimmt."

Bevor die Iraker über den Verfassungstext abstimmen dürfen, muss das Dokument vom Parlament mit einfacher Mehrheit verabschiedet werden. Die Verfassung wird gültig, wenn die Mehrheit der Wähler bei dem Referendum dafür stimmt und in zwei Dritteln der Provinzen eine Mehrheit von Ja-Stimmen erreicht wird. Nach der formellen Machtübergabe an eine irakische Übergangsregierung im Juni vergangenen Jahres und den Parlamentswahlen im Januar hat die US-Regierung erstmals eine Zeitvorgabe für den politischen Prozess im Irak verfehlt. Die USA sind nach den Worten von US-Präsident George W. Bush jedoch weiterhin optimistisch, dass sich die Parteien im Irak auf eine neue Verfassung einigen können. Die Anstrengungen der irakischen Verhandlungsführer seien ein Tribut an die Demokratie und ein Beispiel dafür, dass schwierige Problem auf friedliche Art und Weise mit Beratungen, Verhandlungen und Kompromissen gelöst werden könnten, sagte Bush am Montag in Washington. Er applaudiere deshalb den "heroischen Anstrengungen".Außenministerin Condoleezza Rice zeigte sich zuversichtlich, dass der Verfassungsprozess im Irak trotz der schwierigen Probleme beendet wird und damit die Weichen für neue Wahlen zum Jahresende gestellt werden. Die Verfassung sei das wichtigste Dokument für den neuen Irak, sagte Rice. Die Vereinigten Staaten legten deshalb auch großen Wert darauf, dass Frauen im Irak als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt würden.Nach den Worten der Außenministerin haben die irakischen Parteien in der Verfassungsdiskussion substanziellen Fortschritt erreicht. Die Verlängerung der Frist um weitere sieben Tage sei Beweis dafür, dass die Demokratie funktioniere. Nach den Worten von Rice haben die Iraker vollständige Kontrolle über den Prozess.