Der Espresso beginnt zu wirken. Er rinnt aus dem schicken Teil, das Gerhard Schröder seiner (seiner?) SPD-Parteizentrale geschenkt hat. Eine original italienische Espressomaschine. Glänzend, so glänzend wie sich einige SPD-Granden schon wieder - wenn unter sich - die Zukunft ausmalen. Doch, sogar fast im Ernst! Wenn nämlich die treuen Grün-Wähler ihrer Partei zu einem Ergebnis verhelfen, die sie stärker als die FDP machen würde, wenn, ja dann ... Jedenfalls bliebe Bela Anda dann Regierungssprecher. Über eine Optimierung seiner Vortragstechnik auf der wöchentlichen Bundespressekonferenz denkt er bereits nach, und das macht normalerweise niemand, der sich innerlich verabschiedet hat.

Bei dieser Gelegenheit schalten wir kurz um. Denn auch im Gespräch mit prominenten Freidemokraten senkt sich zuweilen die Stimme, und dann ist erst recht Ketzerisches zu vernehmen. Ist der gelben Partei die SPD nicht näher als die CDU, wenn es um die Themen Biopolitik, Forschung, Bildung, Chancengleichheit oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften geht? Letzteres übrigens auch eine Schnittmenge mit den Grünen. Also: Könnte es nicht zu einer Ampelkoalition reichen? Rot, gelb, grün. Mit Solms statt Eichel. Und dem ewigen Außenminister Fischer.

Merkel wäre dann auf einmal sehr einsam. In der CDU-Zentrale wird erwogen und von einigen gar befürchtet, dass im Ampel-Fall weder der Osten noch die Frauen als solche überzeugt waren, dass diese Union mit dieser Frau an der Spitze das Land besser regieren könnte.

Käme es dazu, dann wäre sich ein bedeutender Teil der Bevölkerung mit starken Strömungen in der CDU sogar einig. So kann man den Begriff Volkspartei ja auch deuten. Und dann gibt es tatsächlich solche Unionschristen, die hinter vorgehaltener Hand zugeben, nicht unbedingt erpicht auf den Sieg zu sein. Manchen scheinen die Probleme des Landes dermaßen erdrückend und unlösbar zu sein, dass sie lieber in der Opposition bleiben wollen. So war das 2002 übrigens auch schon, und das Wahlvolk spürt sowas.

Das ist der Ton, in dem das aus dem Urlaub zurückgekehrte politische Berlin heute summte. Und im Hintergrund zischt die Espressomaschine.