Mit dem Segen der angeblich so sexualfeindlichen katholischen Kirche führt eine neue Online-Singlebörse Männer und Frauen zusammen. Unter www.kathtreff.org, der ersten streng katholischen Partnervermittlung im deutschsprachigen Internet, sollen seit Mitte Juni Katholikinnen und Katholiken zueinander finden – zwecks Heirat, was denn sonst. Die Idee dazu stammt vom Salzburger Weihbischof Andreas Laun, eine Wiener PR-Agentur hat sie verwirklicht. Und kein Geringerer als Johannes Paul II., so Laun, stehe "mit seinen Veröffentlichungen zu den Themen Liebe und Sexualität Pate für das Projekt".

Kirche und Heiraten, das passt traditionell gut zusammen. Aber Kirche und Online-Dating? Steht doch vor dem Heiraten meist das Kennenlernen mit all seinen Unwägbarkeiten und Versuchungen. Befördert ein noch so katholischer Single-Treffpunkt nicht genau jenes Lotterleben, das die katholische Kirche seit Jahrtausenden bekämpft? Sicher, auch aus Tanztees im Gemeindehaus oder Festen der katholischen Dorf- und Weltjugend sollen schon Ehen und eheähnliche Verhältnisse hervorgegangen sein. Aber all das geschah offline, nicht in dieser digitalen Scheinwelt, welche der Vatikan ob ihrer Individualisierungs- und Enthemmungstendenzen schon ganz zu Recht auf dem Kieker hat.

Doch gemach. Derlei weltliche, wenn nicht wollüstige Überlegungen werden schon beim ersten Blick auf die Homepage von kathTreff ausgeschaltet. Begrüßt werden Interessenten mit den Worten: "Jeder kann mitmachen, der katholisch ist oder in der Vorbereitung, katholisch zu werden; von der Lehre der Katholischen Kirche zum Thema Ehe und Familie überzeugt ist und so leben möchte; kirchenrechtlich in der Lage ist, dass Sakrament der Ehe zu empfangen; und unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert." Katholische Sexualmoral plus Kleingedrucktes, das ist eine hohe Schwelle. Sie dient dem unter der Überschrift Nota Bene aufgeführten Ziel, "oberflächliche Flirter vom kathTreff fernzuhalten". (Und was ist mit tiefsinnigen Flirtern?)

"Im Internet und auf einer katholischen Seite gibt es immer wieder schwarze Schafe", wird zu Recht gewarnt. Letztere dürfte spätestens der Fragebogen abschrecken, der vor Betreten des Heiratsmarktes auszufüllen ist. Er verlangt Auskunft über den durchschnittlichen Alkoholkonsum und die Benennung eines "Lieblingsheiligen". Kosten: 70 Euro pro Jahr. Schon nach der ersten Woche gab es nach Auskunft der Betreiber 1000 registrierte Teilnehmer, zu Blitzehen ist es noch nicht gekommen.Jürgen von Rutenberg